Bücher der Saison
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Klappentext
Damals in Bukarest, das meint die Jahre vor und nach dem 1. Weltkrieg. Der Großvater des Erzählers war mit seiner Frau und den Kindern nach Rumänien übersiedelt, um die Direktion einer Fabrik zu übernehmen. Endlich konnte er ein standesgemäßes Leben führen in einem großen Haus, umgeben von einem schönen Garten. Fast 20 Jahre nährte er die Illusion, eine bürgerliche Existenz in gesitteten Formen zu führen, während in Wien und Berlin das Europa der Zivilisation bereits unterging. In den zwanziger Jahren dann verliert die Familie ihr rumänisches Paradies, sie muss, eine Folge der Weltwirtschaftskrise, zurück in die Schweiz. Jahrzehnte später begibt der Erzähler sich auf die Spuren dieser Familie ...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2002
Der Roman wandelt "mit uns" auf den Wegen, welche die jüdische Familie des Schweizer Autors durch das zwanzigste Jahrhundert zurückgelegt habe, schreibt Rezensentin Sabine Brandt. Doch da er "sein Stück Weltgeschichte" aus den Wünschen, Träumen und Enttäuschungen seiner Protagonisten heraus entwickele, könne ihm nur folgen, wer sich "im vielfältigen historischen Ambiente" gut auskenne. Haller, so die Rezensentin, legt wenig Wert darauf, seine Leser "in diesem Bereich" zu informieren. Vielmehr speise er sie mit "hingehauchten Bildern" ab, die "jene Kenntnisse" bloß illustrierten. So befürchtet sie, dass mancher Leser sich "auf den Schleichwegen durch das Innere der Romanpersonen" verirren wird. Kenner von Stoff und Materie jedoch könnten durchaus einen Leselustgewinn aus der Geschichte vom Aufstieg und durch "manche Spielarten des politischen Wahnwitzes" verursachten Fall einer europäischen Bürgerfamilie ziehen, wenn wir die Rezensentin richtig verstanden haben.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2001
Der Schweizer Autor Christian Haller schreibt mit seinem Roman über ein "entschwundenes Bukarest" eine "Hommage des Ich-Erzählers an seine Mutter", berichtet Rezensentin Andrea Gnam. Der Sohn begibt sich auf die Spuren der Vergangenheit: Die Mutter verbrachte als Tochter des Direktors einer Schweizer Textilfabrik vor und nach dem ersten Weltkrieg eine "großbürgerliche Kindheit im alten Bukarest", erzählt Gnam. Lobend hervor hebt sie in dieser "feinsinnigen Studie über die Konstruktion von Erinnerung", dass der Roman auch Passagen über das heutige Bukarest enthält, über "die Wunden, welche die Ceausescu-Ära" hinterlassen hat, so dass das Buch eine zusätzliche Dimension erhalte, die über die "private Erinnerungsarbeit und die literarische Reflexion" hinausgeht. Die Einbindung von visuellen Medien wie Fotografie und Film als vielschichtige "private und zeitgeschichtliche Vermittler" der Vergangenheit, sei dem Autor auf faszinierende Art und Weise gelungen. Hallers Erzählkunst findet die Rezensentin "eindrucksvoll", "glänzend" und "dicht wie realistisches Erzählen im 19. Jahrhundert". Beeindruckt ist sie auch davon, wie reflektiert der Autor die "Mittel der Illusionierung" einsetzt.
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