Bücher der Saison
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Klappentext
Sie sitzt vor dem Telefon den ganzen Tag, einen lieben langen Tag, denn das Warten auf eine Freude ist auch eine Freude, sagt er ihr. Nadja Einzmann erzählt Geschichten von kleinen und von großen Gefühlen. Sie spielt, sie verstrickt sich, sie erzählt von der Liebe, als gäbe es nichts anderes. Sie erzählt eine große Geschichte in vielen kleinen: Es beginnt mit dem Kennenlernen, dem unsicheren Anfang. Aus zweien wird ein Paar. Und dann, irgendwann, fährt sie in den Abend, Hände im Schoß, und dass er kleiner wird hinter ihr, immer kleiner, weiß sie ohne sich umzusehen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.02.2002
Und wieder mal geht es um die Liebe, diesmal im literarischen Debüt der erst 27 Jahre alten Nadja Einzmann. Sie erzählt über Untreue und Eifersucht, über das Ende der Liebe oder auch über Affären, alles wohlbekannte und oft beschriebene Aspekte des großen Themas, aber, wie Rezensentin Elisa Peppel feststellt, "in einer sehr eigenen Weise". Einzmanns "Prosa-Miniaturen" sind meist gar keine richtigen Geschichten, sondern eher Momentaufnahmen, die die Rezensentin oftmals durch einen Stil befremden, der auf sie künstlich und manieriert wirkt. Hinzu komme die immer gleiche Erzählperspektive und die Farblosigkeit der Figuren, die streckenweise Langeweile erzeugten. Peppel bedauert auch die Kürze der Geschichten, die nur einen kurzen Eindruck hinterlassen können. Dennoch verspricht sie, dass man, wenn es dem Leser gelingen sollte, über manche Stilblüte hinwegzusehen, in einigen gelungenen Geschichten "in den kleinen Gesten die großen Gefühle und im groß Gemeinten die Vergeblichkeit" entdecken könne.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2001
"Geschichten von der Liebe" steht im Untertitel des Erzählbandes von Nadja Einzmann, aber Christoph Bartmann hat da so seine Zweifel. Denn immer dann, wenn die Liebe ins Spiel kommt oder kommen könnte, sind Einzmanns Geschichten auch schon wieder zuende, hat der Rezensent festgestellt. Ab und an schimmerten in diesen Geschichten die Zerbrechlichkeit erotischer Witterungen und tieferer Bindungen durch, aber größtenteils werde hier geplappert und kokettiert. Man könnte die Erzählungen auch als Bagatellen bezeichnen und würde damit der Autorin nicht mal zu Nahe treten, denkt der Rezensent. Früher hätte man derartige Prosa ins Poesiealbum geschrieben, wogegen Bartmann gar nichts einzuwenden hat. Stattdessen ist er gespannt darauf, welche weiteren "Talentproben" Einzmann in Zukunft präsentieren wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001
Die Begeisterung ist groß. Und echt. Und so schüttet Martin Krumbholz recht unverdünntes Lob über die Prosaminiaturen aus, in denen es um Liebe, Zweisamkeit und vor allem Vertreter seiner Gattung geht. "Ach, die Männer. Wenn man sich in ihnen wiedererkennt, und das geschieht leider oft, möchte man vor Scham im Boden versinken." Das erspart ihm Nadja Einzmann, denn sie bewältigt den "üblichen Stoff" mit einer "erstaunlichen Gelenkigkeit der Sprache". Und vor allem mit konsequenter Ironie, die Krumbholz ganz offensichtlich entlastend findet: "sie liegt nicht als kompakte Eisschicht über den Texten, sondern viel zarter, wie eine Art ästhetischer Raureif". Besonders gut gefallen ihm dabei Enzmanns Beherrschung der "tausend Zwischentöne" und der "hohen Schule der Andeutungskunst". Und "Leichtigkeit" und "Übermut" ihres Spottens. Gerade das, so Krumbholz, haben die Männer, seit sie den "brillanten Snobismus der Frauenkenner und -verächter, der Strindberg, Montherlant und wie sie alle hießen" abgelegt haben, gründlich "verlernt". Mithilfe sprechender Textzitate versucht Krumbholz sich und seinen Lesern zu beweisen: Angst muss man(n) vor Enzmanns Erkundungsgängen in die "vorprogrammierten" Enttäuschungsabgründe praktizierter Zweisamkeit nicht haben. Vielmehr, so sein erleichertes Resümee, entsteht aus ihnen "scheinbar anstrengungslos eine Literatur, die wir nicht fürchten, sondern rundheraus bewundern müssen".
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