Bücher der Saison
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Klappentext
Selb könnte sich allmählich auf den Lebensabend einstellen. Er sieht es selbst: Die wenigen Aufträge, die der 70-jährige noch an Land zieht, lohnen das Büro kaum. Dann bekommt er einen Auftrag, der weder seinen Auftraggeber noch ihn im Grunde interessiert. Aber ausgerechnet in diesen Fall verstrickt sich Selb immer tiefer. Merkwürdige Dinge ereignen sich in einer alteingesessenen Schwetzinger Privatbank, deren Besitzer seit neuestem auch Eigentümer einer Bank in Cottbus ist. Die Spur des Geldes führt Selb von West nach Ost, von einer Nachwendeniederlage in die andere.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2002
Sacha Verna lässt kein gutes Haar an Schlinks neuester Folge aus der Selb-Serie. Der Fall sei so konstruiert, dass er "selbst den elaboriertesten 'Tatort' weit hinter sich" lasse, kritisiert sie. Dass Schlink kein Verfasser von normalen Krimis ist, sondern hier immer auch ein Stück Vergangenheitsbewätigung betreibt, wissen seine Leser. Dies und die Tatsache, dass der Autor im neuen "Selb" alles in Grautönen halte, was andere schwarzweiß malen würden, führe hier zur Abtötung jeglicher Dynamik und Dramaturgie, stöhnt Verna. Statt Handlung würden Themen präsentiert, die Schlink "mit der Unerbittlichkeit und der durchaus zweifelhaften Objektivität eines Geschichtslehrers" abarbeitete. Dies lädt nicht unbedingt zur Lektüre ein, ganz unabhängig von Unstimmigkeiten in der Konstruktion der Figuren, die die Rezensentin am Beispiel des Alters der Hauptfigur nachweist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2001
Der neue Krimi aus der Feder von Bernhard Schlink kommt bei Christoph Bartmann gar nicht gut an. Negativ fallen ihm zunächst Unstimmigkeiten in der Person des Seriendetektivs Selb auf: Wie kann dieser, fragt Bartmann sich, der doch schon 1942 als Staatsanwalt tätig war, noch heute so munter auf Verbrecherjagd gehen und mit seiner Partnerin über Fragen der Familienplanung diskutieren? "Dieser Mann ist nicht aus Fleisch und Blut", konstatiert er schließlich mit unverhohlenem Missfallen. Der Roman enthält jedoch nicht nur einen komplizierten Fall, sondern "so ziemlich alles, was zwischen 1942 und heute die Welt erschüttert hat", staunt der Rezensent. Was allein die jüngere deutsche Geschichte angeht, gehe es um nicht weniger als um Neonazis, militante Antifaschisten, die russische Mafia, die Treuhand und die Nachwendezeit. Bei Schlink, so stellt Bartmann fest, schlägt immer die "Stunde der moralischen Zeitgeschichte". Bartmann ist, wie er offen gesteht, froh, als am Ende des Romans der Detektiv mit einer Taxe entschwindet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Eine rasante Geschichte mit Ruhezonen hat Burkhard Scherer gelesen. Die Ruhezonen machen, dass ihm der Roman an keiner Stelle forciert erscheint, ob in einem der stets zwischen drei und sechs Seiten langen Kapitel nun ein Geiseldrama mit Todesfolge oder das Verspeisen von Kartoffeln mit Quark verhandelt wird. Gegen die oft beanspruchte These von der "Justizprosa" des Rechtsanwalts Schlink indessen legt der Rezensent Einspruch ein: "Ist da nicht mehr Handwerk, hier aber eher Kunst?" Es sieht in der Tat danach aus. Nicht von ungefähr beschäftigen Scherer die Überlegungen des Helden auch "nach der Offenlegung des kriminalitätsbehafteten Geschehens" lange weiter. Ein Buch, das in so gültiger Weise von der Condition humana handelt, meint er, ist ein großes Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2001
Gustav Seibt beschert Bernhard Schlink, der vor fünf Jahren mit "Der Vorleser" eine wahren Welterfolg landete und seither einer der bekanntesten Autoren Deutschlands ist, über seinen neuen Roman "Selbs Mord" einen kompletten Verriss. Allein schon der Titel verärgert den Rezensenten, doch auch der Inhalt vermag für Seibt aber auch so gar nichts herauszuholen, ganz abgesehen von Schlinks Erzählstil, der, mutmaßt Seibt, in der Literaturkritik nur wegen des großen Erfolgs von "Der Vorleser" Beachtung findet. Seibt jedenfalls hat die Geschichte über den Detektiv Selb, der sowohl von Neonazis, als auch von militanten Antifaschisten übelst verprügelt wird, gelangweilt und unangenehm berührt. Der Rezensent wird noch deutlicher: "Schlink schafft das scheinbar Unmögliche, er schreibt Spannungsliteratur nach der Methode Weizäcker: einerseits, andererseits, dennoch". Was ein Politiker darf und vielleicht auch muss, steht einem Literaten überhaupt nicht gut zu Gesicht, denkt Seibt und kann nicht umhin, seine scharfe Kritik mit weiteren Formulierungen wie "enervierende Ausgewogenheit", "überkonstruiert", "aufdringliche Kultiviertheit", "ranschmeißerisch" und "ein schwerer Fall von Schleimerei" zu untermauern. Für Seibt ist der Roman gerade mal "Lesestoff fürs Justemilieu".
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