Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Selb könnte sich allmählich auf den Lebensabend einstellen. Er sieht es selbst: Die wenigen Aufträge, die der 70-jährige noch an Land zieht, lohnen das Büro kaum. Dann bekommt er einen Auftrag, der weder seinen Auftraggeber noch ihn im Grunde interessiert. Aber ausgerechnet in diesen Fall verstrickt sich Selb immer tiefer. Merkwürdige Dinge ereignen sich in einer alteingesessenen Schwetzinger Privatbank, deren Besitzer seit neuestem auch Eigentümer einer Bank in Cottbus ist. Die Spur des Geldes führt Selb von West nach Ost, von einer Nachwendeniederlage in die andere.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2002
Sacha Verna lässt kein gutes Haar an Schlinks neuester Folge aus der Selb-Serie. Der Fall sei so konstruiert, dass er "selbst den elaboriertesten 'Tatort' weit hinter sich" lasse, kritisiert sie. Dass Schlink kein Verfasser von normalen Krimis ist, sondern hier immer auch ein Stück Vergangenheitsbewätigung betreibt, wissen seine Leser. Dies und die Tatsache, dass der Autor im neuen "Selb" alles in Grautönen halte, was andere schwarzweiß malen würden, führe hier zur Abtötung jeglicher Dynamik und Dramaturgie, stöhnt Verna. Statt Handlung würden Themen präsentiert, die Schlink "mit der Unerbittlichkeit und der durchaus zweifelhaften Objektivität eines Geschichtslehrers" abarbeitete. Dies lädt nicht unbedingt zur Lektüre ein, ganz unabhängig von Unstimmigkeiten in der Konstruktion der Figuren, die die Rezensentin am Beispiel des Alters der Hauptfigur nachweist.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2001
Der neue Krimi aus der Feder von Bernhard Schlink kommt bei Christoph Bartmann gar nicht gut an. Negativ fallen ihm zunächst Unstimmigkeiten in der Person des Seriendetektivs Selb auf: Wie kann dieser, fragt Bartmann sich, der doch schon 1942 als Staatsanwalt tätig war, noch heute so munter auf Verbrecherjagd gehen und mit seiner Partnerin über Fragen der Familienplanung diskutieren? "Dieser Mann ist nicht aus Fleisch und Blut", konstatiert er schließlich mit unverhohlenem Missfallen. Der Roman enthält jedoch nicht nur einen komplizierten Fall, sondern "so ziemlich alles, was zwischen 1942 und heute die Welt erschüttert hat", staunt der Rezensent. Was allein die jüngere deutsche Geschichte angeht, gehe es um nicht weniger als um Neonazis, militante Antifaschisten, die russische Mafia, die Treuhand und die Nachwendezeit. Bei Schlink, so stellt Bartmann fest, schlägt immer die "Stunde der moralischen Zeitgeschichte". Bartmann ist, wie er offen gesteht, froh, als am Ende des Romans der Detektiv mit einer Taxe entschwindet.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2001
Gustav Seibt beschert Bernhard Schlink, der vor fünf Jahren mit "Der Vorleser" eine wahren Welterfolg landete und seither einer der bekanntesten Autoren Deutschlands ist, über seinen neuen Roman "Selbs Mord" einen kompletten Verriss. Allein schon der Titel verärgert den Rezensenten, doch auch der Inhalt vermag für Seibt aber auch so gar nichts herauszuholen, ganz abgesehen von Schlinks Erzählstil, der, mutmaßt Seibt, in der Literaturkritik nur wegen des großen Erfolgs von "Der Vorleser" Beachtung findet. Seibt jedenfalls hat die Geschichte über den Detektiv Selb, der sowohl von Neonazis, als auch von militanten Antifaschisten übelst verprügelt wird, gelangweilt und unangenehm berührt. Der Rezensent wird noch deutlicher: "Schlink schafft das scheinbar Unmögliche, er schreibt Spannungsliteratur nach der Methode Weizäcker: einerseits, andererseits, dennoch". Was ein Politiker darf und vielleicht auch muss, steht einem Literaten überhaupt nicht gut zu Gesicht, denkt Seibt und kann nicht umhin, seine scharfe Kritik mit weiteren Formulierungen wie "enervierende Ausgewogenheit", "überkonstruiert", "aufdringliche Kultiviertheit", "ranschmeißerisch" und "ein schwerer Fall von Schleimerei" zu untermauern. Für Seibt ist der Roman gerade mal "Lesestoff fürs Justemilieu".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








