Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Helen hat nicht gewußt, daß ihr Bruder Declan Aids hat. Aber nun, da feststeht, daß er sterben wird, setzt sie alles daran, daß er heimkommt, in das Haus der Großmutter, hoch über den Meeresklippen. Eine Geschichte von Menschen aus drei Generationen: von ihren Konflikten, Geheimnissen und unausgesprochenen Wünschen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2001
In dem Roman von Colm Toibin haben, man staune, nicht sture irische Männer, die über die IRA, Guiness, Whiskey und Fiedelmusik reden, das Sagen, sondern Schwule und Frauen, staunt Christoph Bartmann, der das "milde" und "menschenfreundliche" Buch gerne weiterempfiehlt". Nicht als "großen Roman", aber als "guten, kleinen", in dem die beschriebenen Verhältnisse und die Form der Beschreibung in schönem Einklang stehen, lobt der Rezensent. Hier gehe es um Modernisierungsgewinne- und Verluste im heutigen Irland, aber auch um private Geschichten, deren Figuren ihre Gefühle sowohl "roh" als auch "rührend" zum Ausdruck brächten, und zwar so, dass sie der Leser auch nachempfinden könne, resümiert der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Der Roman demonstriert, in den Worten des Rezensenten Stephan Wackwitz, das Fortleben des Matriarchats in der irischen Gesellschaft. Er tut das am Beispiel einer Familie, auf dem eng begrenzten Raum eines Hauses am Meer, das zu einem "Laboratorium der Gefühle" zwischen Männern und Frauen wird. Das Szenario ist dabei dieses: "Die Männer sterben und die Frauen kämpfen miteinander". In die Männer hineinblicken lässt einen der Erzähler nicht, ihre Gefühle bleiben "eine black box". Umso genauere Blicke aber erlaubt er in die weiblichen Gemüter. Das ist, so wie er das tut, innerhalb der Grenzen des "konventionell erzählten psychologischen Gesellschaftsdramas", um das es sich nach Ansicht von Wackwitz handelt, durchaus ein Kunstfehler. Geschildert wird nämlich entlang der "unbekümmerten Selbstdarstellungsgewohnheiten" heutiger Nachmittagstalkshows. Der Kunstfehler jedoch, so die Pointe des Rezensenten, macht das Buch eher interessanter, jedenfalls steigert er die "dokumentarische Qualität" und wir erfahren mutmaßlich "Wichtiges und Wahres" über die irische Gesellschaft, die, wie Wackwitz meint, vom 19. direkt ins 21. Jahrhundert gesprungen ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2001
Keine traditionelle Geschichte erwartet den Leser, erklärt unser Rezensent. Stattdessen gehe es um Aids, Homosexualität, um Frauenrollen und den Wandel der irischen Gesellschaft, um Streit, Bekenntnisse, Lebensgeschichten, um "Brüche und Brücken zwischen den Generationen" - alles plastisch und facettenreich vor Augen geführt. Michael Schmitt fühlt sich unweigerlich an Fontane erinnert, an den "Stechlin", nur, dass im vorliegenden Buch "womöglich noch weniger" geschieht. Die Kunst des Autors indes sieht Schmitt darin, "dass trotzdem eine ganze Gesellschaft lebendig wird - das, was sie zusammenhält, genauso wie die Risse."
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