Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Geboren wurde Georges-Arthur Goldschmidt in Hamburg. Seine Familie, wohlhabend, weltoffen und verwandt mit dem Dichter Heinrich Heine, ist jüdischer Herkunft, aber bereits im 19. Jahrhundert zum Protestantismus konvertiert. Der Junge wächst in den ersten Jahren wohlbehütet auf, doch bald gibt es deutliche Anzeichen für die Gewalt und den Terror des Nazi-Regimes. 1938 beschließen die Eltern ihre Söhne zunächst nach Florenz zu schicken. Als auch dort die Lage prekär wird, bringt man beide in einem Internat in den Hautes-Savoies unter, wo der jüngere Georges-Arthur, vor den Nazis zwar gerettet, jedoch körperlich gepeinigt und sexuell missbraucht wird, während sein älterer Bruder in die Résistance geht, die Mutter stirbt und der Vater nach Theresienstadt deportiert wird. Der einzige Halt des empfindsamen Jungen sind seine Leseabenteuer, in die er immer wieder untertaucht und in die er sich zurückzieht...
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2001
So richtig überzeugen lässt sich Dorothea Dieckmann nicht von Georges-Arthur Goldschmidts Autobiografie, obwohl sie findet, dass diese durchaus eindrückliche Passagen enthält: besonders dort, wo der Übersetzer, Essayist und Erzähler von seiner Kindheit berichtet, während der er auf der Flucht vor den Nazis durch Italien und Frankreich geschickt wurde. Trotzdem mangelt es der Rezensentin an Stringenz in dieser Autobiografie, entstanden sei "ein loses, von Wiederholungen und Redundanzen gekennzeichnetes Patchwork aus historischen Fetzen". Deshalb wünscht sie sich, der Autor hätte "ein auf die Hälfte reduziertes Konzentrat" geschrieben. Außerdem moniert sie, dass das Buch durch die Übersetzung des Autors aus dem Französischen zurück ins Deutsche verloren habe: "Hier hätte der Ammann Verlag das Risiko der Selbstübersetzung mildern müssen."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2001
Ina Hartwig ist von dieser Autobiografie, die der Autor selbst aus dem Französischen übersetzt hat, vollkommen begeistert und tief beeindruckt. Es sei die Geschichte einer "Selbstfindung", gleichzeitig aber auch die Beschreibung einer sexuellen Obsession und nicht zuletzt eine "Hommage an Jean-Jacques Rousseau", so die Rezensentin hingerissen. Sie preist das Buch als ein "Stück Bekenntnis-Literatur allerersten Ranges" und kommt dann aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Besonders beeindruckt ist sie von der Klarheit, mit der Goldschmidt "die heiklen Zusammenhänge" seiner Beziehung zu Schmerz und Züchtigung darlegt. Sie ist begeistert von seiner "wohldosierte Offenheit" und lobt ihn für diese "erstaunliche, bewundernswerte und singuläre" Autobiografie, die ihrer Meinung nach den Autor in seiner Vollendung zeigt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Das bereits 1999 im Original erschienene, vom Autor selbst übersetzte Buch hat dem Rezensenten Déja-vu-Erlebnisse beschert, weil bereits die fiktionalen Texte Goldschmidts "an den Stromkreis seiner Lebensgeschichte unmittelbar angeschlossen" sind. Allerdings wird der Zeithorizont im Buch dann erst einmal nach hinten erweitert, wenn der Autor als Familienchronist auftritt, eine bis zu Heine ausholende "kleine Geschichte des Judentums in Hamburg" erzählt und quasi nebenher eine Anatomie der assimilierten jüdischen Bürgerwelt liefert. Irritiert, zugleich aber mit Bewunderung erfüllt lässt Walter Hinck das im Zuge der nun folgenden autobiografischen Bildungsgeschichte abgelegte Bekenntnis des Autors zu seiner Exzentrizität zurück. Nicht anders wirkt auf den Rezensenten die ungezähmte Schärfe, die Goldschmidt Nachkriegsdeutschland zuteil werden lässt, bevor er, mit ungebührlicher Polemik, wie Hinck hier einwendet, gegen seinen Schwager, den Philosophen Ludwig Landgrebe, zur Familienchronik zurückkehrt.
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