Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Begabt für das Leichte sein, an der Oberfläche der Dinge leben, dem Glück folgen: das war und tat Baron Theodor Neuhoff - bis er sich zum König von Korsika krönen ließ und daran scheiterte. Das Leichte ist so trügerisch wie vergänglich. Geheimagent, Liebhaber, hochstapelnder Alchimist und kaiserlicher Gesandter - Theodor Neuhoff lässt sich von den Wellen des Geschicks durch ganz Europa tragen, weiß zu parlieren, zu brillieren und zu blenden. Und wird am Ende Opfer der eigenen Selbstüberschätzung. Als er sich - überzeugt, die Politik sei ein Spiel - im April 1736 von korsischen Aufständischen zum König ausrufen lässt, ist sein Untergang besiegelt. Michael Kleeberg zeichnet das Porträt eines Menschen in einer Wendezeit, dessen Ziele den unseren heute so gleichen: Geld, Liebe, Ruhm.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.03.2002
Als Traum, als "historisch-poetische Leidenschaft des Autors" hätte das "Feuerwerk der Beschreibungen" den Rezensenten gefreut. Als Roman habe dieser Traum seine Form allerdings nicht gefunden, schreibt Eberhard Falcke. Er vermisst im Vergleich zu Voltaires Candide dessen klare Intensionen und fand bei Kleeberg eine "unerklärliche eminente Hochschätzung, die der Erzähler seinem Neuhoff entgegenbringt". Dennoch fehle der Romanfigur Fülle und Kontur, weshalb das Interesse des Rezensenten für sie nicht geweckt wurde. Auch der historische Stoff erscheine lediglich in "Namen und Stichworten". Weiter kritisiert und ironisiert der Rezensent den "ambitiösen Stil", in dem "der Autor das Leben des Helden in einem wilden, wüsten Traum nachträumt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.03.2002
Der westfälische Baron Theodor Neuhoff wäre wohl in den Fußnoten der Geschichtsbücher verschwunden, wäre er nicht überraschend 1736 zum König von Korsika ernannt worden, berichtet Fritz Rudolf Fries. Die außergewöhnliche Biografie Neuhoffs hat der 1959 geborene Schriftsteller Michael Kleeberg zum Thema seines neuen Romans gemacht und dabei, berichtet der Rezensent, "schwelgt er in leidenschaftlichen Sätzen". Fries findet das ganz passabel, zumal der historische Stoff reizvoll und aufregend genug sei. Vor allem das Misslingen des Anliegens dieses Königs, Korsika in die Unabhängigkeit zu führen und es zum "Eldorado für die Verfolgten der Erde" zu ernennen. Am Ende landet Neuhoff, so der Rezensent, im Tower von London. Für Fries gehört diese Geschichte ins "Buch der vergeblichen Utopien und glänzenden Selbstdarsteller", und er wundert sich, dass vor Kleeberg, der vor zwei Jahren den Lion-Feuchtwanger-Preis erhalten hatte, nicht Feuchtwanger selbst auf die Idee gekommen ist, dieses bizarre Leben literarisch zu verarbeiten.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2001
Welcher Teufel mag den 1959 geborenen Autor Michael Kleeberg dazu bewegt haben, den historisch und literarisch ausgereizten Fall des westfälischen Hochstaplers und Abenteurers Theodor Freiherr von Neuhoff (1694 bis 1756) ein weiteres Mal zur Grundlage für seinen Roman zu wählen, fragt sich Volker Breidecker. Dazu hätte es der Gewitztheit eines Voltaire bedurft, an die reicht aber Kleebergs Roman nicht heran, moniert der Rezensent. Stattdessen spiegele das Werk die Rastlosigkeit seines Helden wider. Kleeberg will Theodor zum Leben erwecken und bedient sich dazu allzu offensichtlich der Mittel der Werbesprache, meint Breidecker. Dem ist dieses Anliegen zu konstruiert. Und so erscheint ihm der Roman letztlich nicht als spannende Historie, sondern als die Generationengeschichte des 42-Jährigen Autors.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Dass die "ernsthaften Literaturfreunde" historischen Romanen oft kritisch gegenüberstehen und dies nicht immer zu Recht, das ist der Tenor der Besprechung von Martin Ebel. In dem Roman von Michael Kleeberg werde die Geschichte von Theodor Neuhoff (1694 bis 1756) erzählt, einem Spross eines verarmten Adelsgeschlechts, der sich in den Wirrungen der damaligen Zeit manchmal behauptet, manchmal aber auch scheitert. So schafft er es für ein Jahr lang ,sich als König von Korsika zu etablieren, landet aber später in einem Schuldgefängnis. "Die bewegte Biografie dieses Glücksritters par excellence" ist nach Ebel angereichert mit einer Fülle von handlungsstarken Sujets, die abwechslungsreich geschildert werden. Auch die Wahl der Metaphern findet er klug und anschaulich, wenngleich sie manchmal etwas ins Prätentiöse abgleiten würden. Neuhoff werde als eine Person beschrieben, die 'lebende Bilder seines eigenen Lebens' sammelt und damit manchmal in Distanz zu seiner Umwelt und sich selbst gerate. Damit trägt er, wie Ebel konstatiert, sogar in gewisser Hinsicht moderne Züge. Am Ende seiner Rezension wird Ebel selbst poetisch und vergleicht den Roman mit einem Kometen im nächtlichen Himmel, dem man nachstaunt, auch wenn er schon längst verglüht ist: "Und dieses Wissen nimmt dem Anblick nichts von seiner Schönheit."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2001
Anspruchsvolle Romane gäb's, schildert der Rezensent ein ihn quälendes Problem, deren Lektüre sei deshalb besonders schwer, weil sie einem die Deutungsarbeit allzu leicht machten. Jochen Hörisch aber treibt kein masochistisches Verlangen. Diesen Roman über den Hochstapler Theodor Neuhoff jedenfalls hat er doch ganz entspannt genossen; hat den mächtigen epischen Atem des Erzählers eingesogen, ist dessen tadelloser Chronologie gefolgt, und hat sich von einer "realistisch gezügelten Eleganz" vorbei an unverhofften Wendungen des Lebens und zu dieser und jener Begegnung führen lassen. Hat's zwar alles schon gegeben (siehe Thackereys "Barry Lyndon"), gescheit gemacht, findet Hörisch, ist es dennoch - und sogar "leserfreundlich". Siehste wohl.
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