In den fünfziger Jahren setzte in der Bundesrepublik die so genannte Konsumrevolution ein, die die individuellen Konsumgewohnheiten sowie die gesamte soziale und wirtschaftliche Ordnung grundlegend veränderte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2001
Paul Nolte ist erstaunt: Nie habe er ein Buch über dieses Sujet gelesen, in dem das Warenhaus selbst derart abwesend gewesen sei. Sicher: der Autor bringt Ausschnitte aus den Debatten übers Warenhaus aus der Zeit zwischen dem späten Kaiserreich und den Anfängen der BRD, nur wird daraus noch keine ausgewogene Darstellung der Warenhausgeschichte oder auch nur des Diskurses über das Warenhaus, und etwas derartiges hat Nolte schon erwartet. So ist es also nicht als Lob gemeint, wenn der Rezensent vermerkt, dem Autor sei eine "gewisse Eigenwilligkeit der Auswahl wie des Urteils" nicht abzusprechen. Aus der Frage etwa der "Sozialmoral" des Massenkonsums, findet Nolte, hätte man wesentlich mehr machen können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2001
Der Rezensent mit den Kürzel "ai" ist begeistert von dieser überarbeiteten Habilitationsschrift, die er nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht überzeugend findet, sondern der er sogar einen "beträchtlichen Unterhaltungswert" bescheinigt - zumindest an manchen Stellen. Ansonsten hält sich "ai" zwar mit dezidierten Bewertungen zurück, doch ist seinen Schilderungen über die von Briesen besprochenen Themen deutlich anzumerken, wie gerne er das Buch gelesen hat. So berichtet er über die gesellschaftlichen Debatten, die die ersten Warenhäuser ausgelöst haben (man war etwa der Ansicht, Warenhäuser führen zu moralischem Verfall, mache Frauen zwangsläufig zu Kleptomaninnen und Ehebrecherinnen und der Konsum ruiniere die Männer finanziell). Auch die Nazi-Zeit wird nach "ai" hier beleuchtet, als die Warenhaus-Debatte zur Mittelstandsschutz-Debatte wurde und antisemitische Töne mit hinein spielten. Deutlich wird - so der Rezensent - auch, dass die Warenhaus-Debatte nach 1945 lange Zeit verstummte, bevor in den sechziger Jahren - diesmal nicht von der politischen Rechten, sondern der Linken - erneut kritische Töne zum Thema Warenhaus laut wurden.
Bekittelte Verkäufer, Kaufzwang bei Betreten des Ladens und wie das alles unterging in den Schlussverkaufsorgien der Warenhäuser - alles hochspannend, meint Ralph Bollmann. Schade nur, dass der Historiker-Autor das Ganze in einer Habilitationsschrift behandeln muss und über dem hoffnungslosen, akademischen Kampf um Vollständigkeit nicht nur den Leser einschläfert, sondern auch "das große Ganze" darüber aus dem Auge verliert. Um die versprochene "Geschichte der Konsumkritik im 20. Jahrhundert" aber fühlt sich der Rezensent auch deshalb betrogen, weil so eine Habilschrift ja ausschließlich Neues enthalten muss. "Deshalb dürfte das Buch für den Laien über weite Strecken fast unverständlich sein."
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