Mit 48 Abbildungen. Sie erinnern sich: In den Schlafzimmern unserer Großeltern - sowieso nur mit Sondererlaubnis zu betreten und jedenfalls mit Hausschuhen - war es zum Fürchten: Alles in Halbdunkel getaucht, die Betten mächtig und hoch, Betthäupter, die einer matialischen Wehranlage zur Ehre gereicht hätten. Und darüber groß im golden angestrichenen Gipsrahmen ein - Ölgemälde. Üppigkeit wohin, das erschreckte Auge blickte: Tiefes Grün, dichter Wald und in der Mitte der obligatorische Hirsch. Oder der Schutzengel, der süß-rundgesichtige Kinder vor dräuenden Abgründen bewahrte. Heute, wo selbst Opa und Oma auf Futons zu nächtigen pflegen, stellen wir uns die bange Frage: Wo sind die Bilder hin? Hier ist die Antwort: Es wurde gesammelt und ausgewählt, die Augen lachten dabei manchmal, und die eine oder andere Träne rann über die Wangen...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2001
An den Beginn seiner Rezension stellt Frank Kaspar ein paar Überlegungen zur sogenannten Kitschspirale: Er versteht darunter gewisse progressive Verkultungen des Kitsches und Verkitschungen des Kultigen. Die Spirale, so Kaspar, ende jedenfalls immer in jenem Mittelmaß, das er auch Günter Nennings Buch über dessen Liebe zum Kitsch genüsslich bescheinigt: "Selten mehr als gehobener Herrenwitz mit Sepia-Touch". Nennings Feind trage gewohnheitsmäßig schwarz, seine Götter seien Genetiker. Gegen diese Kitschverächter aber, die Bannerträger von Hochkunst und künstlicher Befruchtung fechte Nenning auf aussichtslosem Posten für die Rückkehr des Doppelbetts mit Eheritze und Bilder von röhrenden Hirschen und drallen Zigeunerinnen. Denn mit der "Jägermeister-Networld, der digitalen Welt um den Kult aus sechsundfünfzig Kräutern", so findet Kaspar, sei "auch die Kitsch-Renaissance an ein vorläufiges Ende gekommen."
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