Aus dem Amerikanischen von Ekkehard Schöller. Evelyn Fox Kellers kurze Geschichte der Genforschung zeigt, wie ein Gen funktioniert, warum die Vorstellung, durch Gene könne Leben "programmiert" werden, ebenso mächtig wie falsch ist, und was wir nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms in Zukunft zu erwarten haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2001
Zwar spricht neuerdings alle Welt vom Gen und der Genetik, so der Rezensent Ernst Peter Fischer, aber dieses Buch mache einem doch klar, dass kaum einer weiß, "was damit genau gemeint sein soll". Von Anfang an ist der Begriff nach Ansicht der Autorin "überfrachtet" worden, hat man - in der These von der Fähigkeit zur Selbstreproduktion - das Gen zu "etwas Lebendigem" gemacht, ihm "eine Art Geistigkeit" zugesprochen. All dies stellt Fox Keller, und zwar nach Ansicht von Ernst Peter Fischer auf "zugleich knappe und klare Weise", in Frage, indem sie beispielsweise die Bedeutung der Proteine und die Wechselwirkung von Proteinen und Genen gegen die irreführende Rede vom "genetischen Programm" stellt. Es gehe ihr um den Doppelcharakter des Gens: "Die Gene sind gemachte Natur und machen sie." Der Rezensent lässt keinen Zweifel, dass er da ganz auf ihrer Seite ist: Er findet dieses Zurechtrücken falscher Vorstellung "höchst spannend und anregend".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.06.2001
Die Diskussion über die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts ist aus wissenschaftlicher Sicht beendet, lautet die Grundthese der Professorin für Wissenschaftsgeschichte und -philosophie am Massachusetts Institute of Technology, Evelyn Fox Keller, berichtet Thomas Lemke. Diese These hat den Rezensenten schwer erstaunt, denn schließlich sind die Vor- und Nachteile des Humangenomprojekts (HGP) noch in vieler Munde. Dabei werden in der Wissenschaft inzwischen postgenomische Netzwerke erforscht, die die Zellregulation und damit auch die DNA beeinflussen. Von einem genetischen Programm, das die Steuerung des menschlichen Organismus beeinflusst, kann daher gar keine Rede sein, referiert Lemke, der die Argumentation der Autorin außerordentlich überzeugend und gut dokumentiert findet. Aber auch wenn er das Buch für einen unverzichtbaren Beitrag zum aktuellen Diskurs über das HGP hält, hat er auch Einwände. Das Jahrhundert des Gens ist für ihn jedenfalls noch nicht beendet, auch wenn Fachleute bereits eine andere Diskussion führen als die Öffentlichkeit.
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