Bücherschau der Woche
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Klappentext
1898 landet der deutsche Arzt Richard Kandt im schwarzen Kontinent, um die Quelle des Nil zu suchen und eine deutsche kaiserliche Residenz in Ruanda zu errichten. 1995 erlebt Hans Christoph Buch den zweiten Akt der blutigen Tragödie zwischen Hutu und Tutsi. Hundert Jahre Afrika sind ein Jahrhundert Schuld und Verdrängung, und in ihnen findet der Autor eine zentrale Konstellation seines Lebens.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.06.2001
Seit den siebziger Jahren konzentriert sich Hans Christoph Buch mehr auf die direkte Anschauung und Erfahrung als auf Theorie und Ideologie, berichtet Paul Michael Lützeler. Viele Länder hat Buch seither bereist, darunter die Karibik, Teile Lateinamerikas und Afrikas. Der Rezensent hält Buch für den deutschsprachigen Autor, der diese Gegenden wohl am besten kennen gelernt hat. Sehr erfreut ist Lützeler daher auch darüber, dass Buch sich nun nach langer dokumentarischer Arbeit wieder der Literatur zugewendet und ein Buch über Rwanda geschrieben hat. Auch wenn es sich hier um eine Mischung aus Fiktion und Dokumentation handelt, schränkt der Rezensent ein, denn in "Kain und Abel in Afrika" gebe es zwei Erzähler. Einmal den literarisch-dokumentarischen Erzähler, der viel über Lebensverhältnisse und Konflikte berichtet und Richard Kandt, ein "historischer Erzähler", der vor gut hundert Jahren in Rwanda war und darüber 1905 publizierte. Sehr nahe ist Lützeler der Grundkonflikt zwischen Hutu und Tutsi gebracht worden. Und Buchs Prolog hält er für ein Meisterstück der erzählerischen Verunsicherung. Denn er veranschauliche, warum Buch einen romanhaft-fiktionalen Bericht der dokumentarisch-sachlichen Reportage vorgezogen habe. Die Geschichte zwischen Kain und Abel habe viele Gesichter, genauso wie die der Unruhen in Afrika. Und eine Fiktion stelle erst gar nicht den Anspruch auf eine objektive Darstellung, die es hier, ist sich auch der Rezensent sicher, sowieso nicht gebe.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.06.2001
Eberhard Falcke hält diesen Roman vor allem deshalb für missglückt, weil er keine "schlüssige Romanidee und eine Konzeption" erkennen kann, die mehr ist als eine lose Mischung aus verschiedenen Teilen. So bemängelt er etwa, dass die eingeschobenen Passagen fingierter Notizen des Afrika-Forschers Richard Kandt, der 1897 die Hutu und Tutsi besuchte, wie ein Fremdkörper im Kontext wirken und die Bedeutung dieser Parallelhandlung nicht klar wird. Möglich wäre es nach Falcke, dass damit ein Hinweis auf die Folgen der Kolonialisierung gegeben werden soll. Doch dafür wäre gerade Kandt nicht unbedingt ein treffendes Beispiel, wie der Rezensent meint. Interessant findet er zwar die verschiedenen Erlebnisse des Romanhelden in Afrika, die oft entsetzlich, manchmal jedoch auch komisch sind. Doch die literarische Verarbeitung entfaltet seiner Ansicht nach an keiner Stelle Intensität. Über die Auseinandersetzungen zwischen Hutu und Tutsi erfahre man leider auch nichts Neues, und die Art und Weise, mit der Buch einige erotische Abenteuer schildert, findet Falcke "gelegentlich ziemlich billig und verschmockt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.05.2001
Das Projekt, dem sich Hans Christoph Buch mit seinem neuen Roman verschrieben hat, gefällt dem Rezensenten Fritz Rudolf Fries - auch, weil es sich mit der Schuldfrage der europäischen Kolonisatoren an den heutigen Kriegen in Afrika beschäftigt. Der Autor folgt den Spuren des Afrikaforschers Richard Kandt, der Afrika vor ungefähr 100 Jahren bereiste, und verbindet diese Geschichte mit einer Reflexion über den Völkermord in Ruanda. Anders als bei den Schriftstellern, die im letzten Jahrhundert - wie Hemingway im Spanienkrieg - "Reporter und Schriftsteller in Personalunion" waren, ist heute eine moralische Bewertung und eine Parteinahme wesentlich problematischer, findet Fries. Was Buch zu den Ereignissen der letzten Jahre in Afrika zu sagen hat, findet der Rezensent ausgesprochen interessant, auch wenn er darauf hofft, dass das eigentlich bedeutsame "afrikanische Epos" in ein paar Jahren folgt, wenn Buch etwas Abstand zu seinen Erlebnissen gewonnen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2001
Klara Obermüller erläutert, dass in diesem Buch zwei Geschichten erzählt werden: Die des deutschen Arztes Richard Kandt, der 1897 nach Ost-Afrika aufbrach, um in Ruanda eine "kaiserliche Residenz" zu errichten. Und die des Autors selbst, der hundert Jahre später von dort für eine Zeitung über den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi berichten sollte. Buch geht es vor allem darum, so Obermüller, den geschichtlichen Hintergrund dieses Konflikts aufzuzeigen, und nach ihren Worten ist es dem Autor durchaus gelungen, bewusst zu machen "wie viel diese Tragödie mit uns zu tun hat" - mit uns, den ehemaligen Kolonialmächten. Die Rezensentin weiß es dabei sehr zu schätzen, dass Buch Afrika keineswegs idealisiert und kritiklos betrachtet, gleichzeitig findet sie, dass stets auch Mitleid des Autors spürbar ist. Die Verbindung der beiden Erzählstränge ist dem Autor ihrer Meinung nach durchaus geglückt. Und dass es Buch gelingt, das, "was ihm die Sprache verschlägt" dennoch zu vermitteln, liegt nach Obermüller vor allem darin, dass er den Opfern Namen und Geschichte - und damit Würde - gibt. Nicht zuletzt weiß es die Rezensentin sehr zu schätzen, dass Buch auch aus einer Faszination, die die Gewalt in diesen Ländern auch auf ihn selbst bisweilen ausgeübt hat, keinen Hehl macht.
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