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Friederike Mayröcker
Requiem für Ernst Jandl
Klappentext
Ein halbes Jahrhundert gemeinsamen Lebens, und das hieß ganz selbstverständlich auch: gemeinsamer literarischer Arbeit, verband und verbindet Friederike Mayröcker und Ernst Jandl. Unmittelbar nach dem Tod des Gefährten im Frühsommer des Jahres 2000 hat Friederike Mayröcker den Schmerz des Verlustes in einer Todesklage zu bewältigen versucht. Sie ruft Erinnerungen an Erlebnisse der gemeinsamen Jahre auf, macht sich Offengebliebenes jäh bewusst, liest Jandls Texte neu. Vor einer plötzlichen und existentiellen Leere erschreckend, fragt sie nach Möglichkeiten und Weisen des Weiterlebens und -arbeitens und hört nicht auf, zu einem Gegenüber zu sprechen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2001
Harald Hartung bespricht Ernst Jandls "Letzte Gedichte" und Friederike Mayröckers "Requiem für Ernst Jandl" zusammen.
1) Ernst Jandl: "Letzte Gedichte"
Zweifel an dieser von Jandl-Lektor Klaus Siblewski getroffenen Auswahl letzter Gedichte meldet Rezensent Harald Hartung an. Am offensichtlichsten stört ihn die Aufnahme von "Notizen und Vorstufen" in die Edition, hinter denen er die Absicht vermutet, "das Bändchen ein wenig aufzufüllen". Auch zeigt sich Hartung irritiert, dass die "vorhandenen Textvarianten" nicht kenntlich gemacht worden sind. Doch neben dem "Vorläufigen und Skizzenhaften" hat der Rezensent dann auch Texte gefunden, "die noch einmal die Klaue des Löwen zeigen". Texte, die den "altersgrimmigen und depressiven Poeten" auch als "Meister des Kalauers" zeigten. Stark, ungeniert und bis an die Grenze des Obszönen sei Jandl in der "wahrhaft ins Fleisch schneidenden Betrachtung hinfälliger Körperlichkeit". In allerletzten Gedichte habe sich sogar "ein barocker Ton von Beichte und Bekenntnis" gefunden, der den Rezensenten rührte.
2) Friederike Mayröcker: "Requiem für Ernst Jandl"
Bewegt geht Rezensent Harald Hartung in seiner Besprechung des posthumen Jandl-Gedichtbandes auch auf sechs Texte von Friederike Mayröcker ein, die sie als "Requiem für Ernst Jandl" schrieb. Gedichte, die sich gewissermaßen an ein letztes Gedicht Jandls anschließen, in dem er den Wunsch äußert, die Lebensgefährtin möge "dann" schreiben, "dass ich tot bin". Für den Rezensenten sind die Texte ein "Zeugnis von Trauer und Erschütterung", das ihn besonders durch seine "zarte Empirie" berührt hat. Mayröcker fixiere das "Bild des Dichters auf dem Krankenlager", zeige ihn "auf dem Totenbett", aber eben auch als Lebenden, und lässt den Rezensenten so einen letzten wehmütigen Blick auf ein Traumpaar der Dichtung werfen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2001
Mit großer Empathie, mit viel Sympathie auch für die beiden Autoren widmet sich Jörg Drews Jandls "Letzten Gedichten" und Friederike Mayröckers "Requiem für Ernst Jandl".
1) Ernst Jandl: "Letzte Gedichte"
Den Autor beschreibt Drews als intellektuellen Melancholiker. So "total", wie der Rezensent die Desillusioniertheit Jandls sehen will, scheint sie indessen nicht zu sein. Zu einer "unbeugsamen Intention auf Wahrheit" und zu "hemmungslosem Spott", wenn auch gegen sich selbst, reicht es auch in den nun vorliegenden, von Drews empfohlenen "Letzten Gedichten" noch allemal. Ebenso ist Jandls Formen-Anarchismus, den Drews so gutheißt, ganz genau - eine "wütende Zerplitterung", mitnichten also Ausdruck von Resignation. Bleibt noch ein Wort an den Herausgeber. Von dem hätte sich der Rezensent doch mehr erwartet: über Lesarten, Textgrundlagen und Auswahlprinzipien.
2) Friederike Mayröcker: "Requiem für Ernst Jandl"
Die beiden hier versammelten Prosastücke, schreibt Drews, ergeben sich ganz dem Ungetröstetsein nach dem Verlust des geliebten Menschen. Und obwohl sich der Rezensent bisweilen geniert hat, sich für das Leben und die Liebe zweier Menschen zu interessieren und es lesend mitzuvollziehen - als zur Kunstform erhobene grüblerische Gedankenflucht, der die "Rituale und Selbstbetrügereien, mit denen man den Schmerz dämpft", eingeschrieben sind, erscheint ihm das Buch kostbar.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.04.2001
In ihrer kurzen Besprechung stellt Elke Schmitter fest, dass selbst eine "Virtuosin der Erfindung" wie Friederike Mayröcker bei ihrer Totenklage um Ernst Jandl der europäischen Tradition verpflichtet bleibt: Wehmut und Bedauern spreche aus ihren Worten, selbst Gott fehlt nicht, wenn er auch nach Schmitters Ansicht eher eine semantische Erinnerung bleibt. So findet Schmitter in dem Requiem auch keinen "Trost der Transzendenz". Es sei eher ein "fortwährendes Weiterreden" in der "nicht aussprechbaren Hoffnung, der andere würde es hören". Am Ende steht ein Zitat von Mayröcker, das nichts zeigt als einen Mann und eine Frau zusammen: 'in der Küche stehn wir beide / rühren in dem leeren Topf / schauen aus dem Fenster beide / haben 1 Gedicht im Kopf'.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2001
Paul Jandl erzählt in seiner Rezension ausführlich vom Leben Friederike Mayröckers und Ernst Jandls, über ihre Gewohnheiten und ihre Beziehung zueinander, bevor er mit wenigen Worten schließlich auf das vorliegende Buch zu sprechen kommt bzw. daraus zitiert. Der Rezensent enthält sich einer Bewertung dieses Buchs, sondern erläutert lediglich, dass in diesem "Requiem" vor allem die Orte, die Mayröcker und Jandl gemeinsam besucht haben, hier eine wesentliche Rolle spielen: "Grado oder Meran, der Attersee", Sommerferien auf dem Land, Mayröcker und Jandl auf Balkonen und Wiesen - "Momentaufnahmen des Erlebten", wie der Rezensent dies nennt.
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