Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Friederike Mayröcker
Requiem für Ernst Jandl
Klappentext
Ein halbes Jahrhundert gemeinsamen Lebens, und das hieß ganz selbstverständlich auch: gemeinsamer literarischer Arbeit, verband und verbindet Friederike Mayröcker und Ernst Jandl. Unmittelbar nach dem Tod des Gefährten im Frühsommer des Jahres 2000 hat Friederike Mayröcker den Schmerz des Verlustes in einer Todesklage zu bewältigen versucht. Sie ruft Erinnerungen an Erlebnisse der gemeinsamen Jahre auf, macht sich Offengebliebenes jäh bewusst, liest Jandls Texte neu. Vor einer plötzlichen und existentiellen Leere erschreckend, fragt sie nach Möglichkeiten und Weisen des Weiterlebens und -arbeitens und hört nicht auf, zu einem Gegenüber zu sprechen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2001
Mit großer Empathie, mit viel Sympathie auch für die beiden Autoren widmet sich Jörg Drews Jandls "Letzten Gedichten" und Friederike Mayröckers "Requiem für Ernst Jandl".
1) Ernst Jandl: "Letzte Gedichte"
Den Autor beschreibt Drews als intellektuellen Melancholiker. So "total", wie der Rezensent die Desillusioniertheit Jandls sehen will, scheint sie indessen nicht zu sein. Zu einer "unbeugsamen Intention auf Wahrheit" und zu "hemmungslosem Spott", wenn auch gegen sich selbst, reicht es auch in den nun vorliegenden, von Drews empfohlenen "Letzten Gedichten" noch allemal. Ebenso ist Jandls Formen-Anarchismus, den Drews so gutheißt, ganz genau - eine "wütende Zerplitterung", mitnichten also Ausdruck von Resignation. Bleibt noch ein Wort an den Herausgeber. Von dem hätte sich der Rezensent doch mehr erwartet: über Lesarten, Textgrundlagen und Auswahlprinzipien.
2) Friederike Mayröcker: "Requiem für Ernst Jandl"
Die beiden hier versammelten Prosastücke, schreibt Drews, ergeben sich ganz dem Ungetröstetsein nach dem Verlust des geliebten Menschen. Und obwohl sich der Rezensent bisweilen geniert hat, sich für das Leben und die Liebe zweier Menschen zu interessieren und es lesend mitzuvollziehen - als zur Kunstform erhobene grüblerische Gedankenflucht, der die "Rituale und Selbstbetrügereien, mit denen man den Schmerz dämpft", eingeschrieben sind, erscheint ihm das Buch kostbar.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.04.2001
In ihrer kurzen Besprechung stellt Elke Schmitter fest, dass selbst eine "Virtuosin der Erfindung" wie Friederike Mayröcker bei ihrer Totenklage um Ernst Jandl der europäischen Tradition verpflichtet bleibt: Wehmut und Bedauern spreche aus ihren Worten, selbst Gott fehlt nicht, wenn er auch nach Schmitters Ansicht eher eine semantische Erinnerung bleibt. So findet Schmitter in dem Requiem auch keinen "Trost der Transzendenz". Es sei eher ein "fortwährendes Weiterreden" in der "nicht aussprechbaren Hoffnung, der andere würde es hören". Am Ende steht ein Zitat von Mayröcker, das nichts zeigt als einen Mann und eine Frau zusammen: 'in der Küche stehn wir beide / rühren in dem leeren Topf / schauen aus dem Fenster beide / haben 1 Gedicht im Kopf'.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2001
Paul Jandl erzählt in seiner Rezension ausführlich vom Leben Friederike Mayröckers und Ernst Jandls, über ihre Gewohnheiten und ihre Beziehung zueinander, bevor er mit wenigen Worten schließlich auf das vorliegende Buch zu sprechen kommt bzw. daraus zitiert. Der Rezensent enthält sich einer Bewertung dieses Buchs, sondern erläutert lediglich, dass in diesem "Requiem" vor allem die Orte, die Mayröcker und Jandl gemeinsam besucht haben, hier eine wesentliche Rolle spielen: "Grado oder Meran, der Attersee", Sommerferien auf dem Land, Mayröcker und Jandl auf Balkonen und Wiesen - "Momentaufnahmen des Erlebten", wie der Rezensent dies nennt.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








