Seit der Auflösung der Sowjetunion hat sich die politische und wirtschaftliche Lage in Russland noch verschärft - trotz Milliardenhilfe aus dem Westen. Die Nomenklatura hat sich zu einer Kapitalismus-Mafia gemausert, Rußland ist auf den Stand eines Rohstoffe liefernden Entwicklungslandes abgesunken, die Regierung versucht, von der Not und Verzweiflung im Innern durch militärische Aktionen abzulenken. Warum kommt Rußland nicht voran?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2001
Was wird aus Russland? Mit dieser Frage hat sich der Politikwissenschaftler Claus D. Kernig auseinandergesetzt und eine bestechende Analyse vorgelegt, lobt Werner Adam. Auch wenn der Tonfall des Autors dem Rezensenten in manchem Kapitel zu akademisch ist - er hat sich trotzdem historisch und politisch fesseln lassen. So etwa von der von Kernig kenntnisreich beleuchteten Geschichte der Dissidentenbewegung. Etwas ärgerlich findet Adam, dass Kernig die Figuren Gorbatschow und Jelzin sehr eindimensional in gut und böse charakterisiert. Bei aller Brillanz in der Analyse der russischen Geschichte und Politik verharre auch der Autor am Ende in einem Feindbild. Und wer das nicht teilt, meint Adam, muss mit Kernigs Abstrafung rechnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2001
Nach Ansicht Curt Gasteygers sind die gängigen Vorstellungen über Russland im allgemeinen recht klischeehaft. Umso mehr begrüßt er nun eine "differenzierende Analyse" Claus Kernigs, der hier die Gründe für das Scheitern der Sowjetunion wie auch des postsowjetischen Russlands "überzeugend" aufzeige. Dass Kernig bei Lenin ansetzt, scheint dem Rezensenten nur konsequent, weil seiner Meinung nach dadurch deutlich wird, dass die Planwirtschaft besonders angesichts des technologischen Fortschritts langfristig nicht praktikabel war. Darüber hinaus zeige der Autor deutlich die Schwierigkeiten der Sowjetunion sowie bei ihrem Zusammenbruch auf, dessen Ursachen nach Kernig zum großen Teil nach wie vor für nötige Reformen Hemmnisse darstellen, wie Gasteyger erläutert. Deutlich werde dabei, dass die aktuellen Probleme Russlands teilweise ähnlich sind wie die in der Vergangenheit und für Kernig vor allem in der maroden Exportwirtschaft, im "Steuer- und Rechtswesen" sowie in den Mafiaorganisationen liegen. Insgesamt eine "ebenso kenntnisreiche wie kritische Analyse", so der Rezensent.
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