Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Jean-Philippe Toussaint
Selbstporträt (in der Fremde)
Klappentext
Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Nach fünf Romanen legt Jean-Philippe Toussaint ein Reisebuch vor, das gleichzeitig ein Selbstporträt und ein Nachdenken über das Schreiben ist. Auf Einladung von öffentlichen Institutionen und auch ganz privat fliegt der Schriftsteller um die Welt. Jedes der elf Kapitel ist einer Hauptstadt gewidmet - Tokyo, Berlin oder Hanoi. Das Ergebnis sind Miniaturen, schnelle Passagen, Impressionen, die mit scharfem Blick traumhaft Flüchtiges festhalten. Und stoisch wie alle Helden seiner früheren Romane meidet der reisende Toussaint die Sensationen und Sehenswürdigkeiten und beschwört auch nicht (Mode mancher travel writers) die Exotik der bereisten Länder, sondern beschreibt die Unabwägbarkeiten und Absurditäten der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2001
So klein und schon ein großes Buch. Martin Krumbholz zeigt sich einigermaßen erstaunt darüber, wie der Autor es schafft, auf nicht mal 100 Seiten beinahe nichts zu sagen. Allein das "beinahe" hat es in sich. So beiläufig und verführerisch charmant schreibt Toussaint, dass Krumbholz die zerstörerischen Energien, "Schnitte und Kratzer", in seiner Prosa fast übersehen hätte. Aber eben nur fast. Das "Bedrohlich-Negativistische", wie der Rezensent es respektvoll nennt, mit dem der Autor dem notorischen Positivismus begegne, zeigt sich für ihn in der Abweichung von der Vertrautheit üblicher Selbstporträts. Wo immer es den umtriebigen Helden des Buches auch hin verschlägt, meint Krumbholz, es passiert überhaupt nichts, noch sei etwas zu sehen. Von irgendwo zwischen den Konventionen biografischer Reisebeschreibungen und diesem Nichts, so scheint es, bezieht dieses Buch seine Größe. Dingfestmachen konnte Krumbholz den Ort nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001
Ina Hartwig bespricht zwei zweitgleich auf Deutsch erschienene Bücher, in denen sich der gebürtige Belgier Toussaint über Berlin äußert, wo er 1993 als Stipendiat des DAAD eine Zeit gelebt hat.
1) Jean-Philippe Toussaint: "Fernsehen". Roman
Höchstes Markenzeichen des Autors: feine Ironie, die nach Hartwig einen französischsprachigen Kunsthistoriker durch das unwirtliche Berlin begleitet, ihn auf teutonische Alternative, prollige Nacktkulturhedonisten und einen diplomatisch jede Misslage übersehenden Direktor des Berlin-Programms stoßen lässt, wohinter nach Hartwig unschwer reale Personen zu erkennen wären. Noch markanter jedoch sei die Selbstironie, mit der der Autor alle verfänglichen Situationen schildere und darüber hinaus ein Experiment beschreibe, dem der Roman seinen Titel verdankt: der Erzähler möchte nämlich eine Zeit lang auf das "Fernsehen" verzichten. Was durchaus einen verschärfenden Effekt in der Wahrnehmung des Kunsthistorikers zur Folge hat, siehe Thema Berlin, außerdem aber als Selbstbeschreibung für Hartwig durchaus ernstzunehmende (und zugleich vergnügliche) Literatur darstellt.
2) Jean-Philippe Toussaint: "Selbstportrait in der Fremde"
Eine Fortsetzung findet Toussaints Berlin-Betrachtung im vorliegenden Essayband, der elf minimalistische Portraits versammelt, für die nach Hartwig Roland Barthes` Japan-Buch Vorbild gewesen sein könnte. "Un-Portraits" nennt sie die Rezensentin, die verschiedenen Ländern, Städten, Landschaften gelten: Tunesien, Korsika, Vietnam und natürlich Japan. Eine "Poesie des Peripheren" sieht sie evoziert, eine Auflösung des Ichs des Reisenden beschrieben, der sich in den verschiedenen Raum- und Zeitzonen verliert und doch auch wieder selbst erfährt. Der Ruf Berlins, eine unliebenswürdige Stadt zu sein oder vielmehr von unliebenswürdigen Personen in Verruf gebracht zu werden, erfährt übrigens auch in diesem Beitrag des Autors keine Korrektur, teilt Hartwig mit.
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