"Heim, Herd und Nachwuchs" ? darauf beschränkte das Dritte Reich die Frauen. Es gab glühende Anhängerinnen des Regimes, die daran zerbrachen wie die kinderlose Karoline Katharina Rascher. Um das Prestige ihres Ehemannes, eines KZ-Arztes, und auch ihr eigenes zu heben, entführte sie Kinder und gab sie als die eigenen aus. Andere Nationalsozialistinnen wollten sich aber nicht mit der Rolle als Statistinnen begnügen: Gerda Bormann ermutigte ihren Mann zu seinen Affären und wollte die Vielehe auch gesetzlich verankern. Die Fliegerin Hanna Reitsch landete am Höhepunkt der Schlacht um Berlin beim Brandenburger Tor, um Hitler aus dem Führerbunker auszufliegen. Die mondäne Unity Mitford, Eva Brauns Rivalin aus der englischen Aristokratie, arbeitete als Politagitatorin für Hitler. Verzweifelt darüber, dass eine deutsch-englische Verbrüderung nicht zu realisieren war, schoss sie sich in die Schläfe. Sie überlebte und kehrte mit einer Kugel im Hinterkopf nach England zurück. All diese dramatischen Schicksale werden von Anna Maria Sigmund in diesem Band geschildert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2001
Bei Anna Maria Sigmunds Buch handelt es sich um den 2. Band zu einer vor zwei Jahren erschienenen Sammlung von Kurzportraits über Frauen von Nazis in exponierter Stellung. Mit dem jüngst erschienenen Band über die Frauen von Bormann, Heydrich und Rascher sowie die Pilotin Hanna Reitsch, die englische Faschistin Unity Mitford und Winifred Wagner scheint die Rezensentin insgesamt nicht zufrieden. Die Informationen, mit denen die Autorin die Neugier des Lesers über das Privatleben der NS-Frauen zu befriedigen suche, entnehme sie überwiegend den zahlreichen in den 50er Jahren erschienenen (Auto-)Biografien. Dabei wird der Rahmen spektakulärer Berichterstattung nicht gesprengt, kritisiert Sabine Fröhlich. Gelungen findet sie jedoch die jeweils letzten Zeilen zu den Portraits, die über das Leben der Frauen nach 1945 berichten. Die Tatsache, dass diese mehr oder weniger direkt in die Nazi-Verbrechen verstrickten Frauen nach dem Holocaust ohne Bruch in ihrer gedanklich und real heilgebliebenen Welt weiterlebten, könne einen das Gruseln lehren, findet Fröhlich.
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