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Klappentext
Als Kurt Eisner am 7. November 1918 durch eine revolutionäre Aktion den bayerischen König stürzte und eine neue, sozialdemokratisch dominierte Regierung bildete, war er dem Großteil der bayerischen Bevölkerung nahezu unbekannt. Wie kam es, dass ausgerechnet ein aus Berlin stammender Sozialdemokrat jüdischer Abstammung das nötige Gespür für die in Bayern herrschende Stimmungslage und den Mut zum Handeln aufbrachte? Den Mut, auch unbequeme Wahrheiten offen auszusprechen, musste Eisner am 21. Februar 1919 mit seinem Leben bezahlen. Die vorliegende Biografie stellt anhand zahlreicher neuer Quellen Leben und Werk des jüdischen Sozialisten erstmals in aller Ausführlichkeit vor und führt zugleich zu einer Neubewertung Eisners als Politiker.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Kurt Eisner - mehr zu Bernhard Graus Biografie bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.07.2001
Die Arbeit von Bernhard Grau über Kurt Eisner ist für Wihelm von Sternburg die erste umfassende Darstellung, in der ohne Vorurteile und ideologische Zwänge der politische Werdegang dieses unkonventionellen Akteurs beschrieben wird. Denn viel zu lange, meint der Rezensent, sei der Sozialdemokrat, der 1918 in Bayern die Revolution ausgelöst hatte und bis zu seinem Tod durch ein Attentat 1919 für vier Monate bayrischer Ministerpräsident war, von der bürgerlichen Geschichtsschreibung diffamiert, belächelt oder gerade einmal einer Fußnote für würdig befunden worden. Dem unbequemen Querulanten, für von Sternburg ein einsamer und konsequenter Moralist, schreibe man in konservativen Kreisen immer noch lieber die Rollen des "schöngeistigen Traumtänzers", "Anarchisten", "Phantasten" oder "politisierenden Feuilletonisten" zu. Grau nun hat zur Freude des Rezensenten die politische Laufbahn des Journalisten Eisner detailliert und akribisch nachgezeichnet. Endlich, denkt der Rezensent, bedauert aber, dass über das Privatleben Eisners in der Doktorarbeit so gar nichts zu lesen ist. Eine Biografie sei Graus Buch nicht, warnt der Rezensent vor irrtümlichen Erwartungen. Obwohl er den wissenschaftlichen Gehalt der Studie mitnichten in Frage stellt, hat er trotzdem einige Geduld während der Lektüre aufbringen müssen und sich von gelegentlichen Wiederholungen strapaziert gefühlt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2001
Für gründlich recherchiert, insgesamt zu lang und manchmal etwas selbstgerecht hält Christoph Jahr die neue Eisner-Biografie, die dem ermordeten bayrischen Ministerpräsident der Münchener Republik einen gebührenden Platz in der deutschen Geschichte zuweist: als "realistischer Utopist", schreibt Jahr, und pragmatischer Visionär. Um die ganze Person zu erfassen, habe sich der Autor keineswegs auf Eisners kurze Amtszeit als Ministerpräsident beschränkt, sondern auch die bürgerliche Herkunft aus jüdischem Elternhaus berücksichtigt und seinen politischen Werdegang durch SPD und USPD beschrieben. Als politischen Spinner und "weltfremden Phantasten" könne man Eisner in Zukunft nicht mehr abtun, so Jahr. Der Zeitpunkt von Eisners Ermordung als Anfang vom Ende linker Experimente und bayrischer Liberalität bedeutet für den Rezenten auch "über vertane Alternativen der deutschen Geschichte nachzudenken".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2001
So recht wollte bisher niemand verstehen, wie Kurt Eisner nach der Revolution von 1918 zum bayrischen Ministerpräsidenten aufsteigen konnte. Schließlich galt der Journalist als weltfremder Literat und Gelehrter, berichtet Hans Christof Wagner. Mit dem Zerrbild über den Journalisten und Politiker, der 1919 bei einem Attentat ums Leben kam, ist nun Schluss, meint der Rezensent. Denn Bernhard Grau hat einen Biografie geschrieben, in der er das eigenwillige Leben dieses unangepassten und überzeugten Kriegsgegners nachzeichnet. Eisner war einer, schreibt Wagner, der sich zwischen alle Stühle setzte. Auch bei den Sozialdemokraten. Wagner ärgert sich denn auch ein bisschen, dass Grau in seiner Biografie mit Eisner etwas zu hart ins Gericht gegangen ist. "Ein bisschen mehr Wertschätzung hätte Eisner schon verdient", findet der Rezensent. Eisner habe viele politische Probleme trotz seiner idealistischen und weltfremden Einstellungen beinahe schon visionär vorhergesehen und sagte etwa die "Dolchstoßlegende" voraus, informiert Wagner.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001
Volker Ulrich schätzt das Anliegen Bernhard Graus, der umstrittenen Figur Kurt Eisner wissenschaftliche Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Der 1919 ermordete sozialdemokratische Ministerpräsident Bayerns galt bislang als gescheiterte Persönlichkeit - eine Verzerrung der Biografie, die durch Konzentration der biografischen Darstellungen auf die letzten Lebensmonate Eisners entstehen konnte. Bernhard Grau verfolge eine andere Strategie und stelle ausführlich den gesamten Werdegang Eisners dar - zum ersten Mal, wie Ulrich anmerkt. Wissenschaftlichen Vorteil ziehe Grau aus dem Nachlass Eisners, der in der damaligen DDR lagerte und der lange Zeit nur schwer zugänglich war. Neben der journalistischen Karriere Eisners wird hauptsächlich das Annähern an die Sozialdemokratie differenziert beschrieben, so Ulrich, und Eisners schillernder Standort zwischen den Fronten dargestellt. So weitsichtig Eisner vor 1914 bezüglich der wilhelminischen Politik nach den Erkenntnissen dieser Biografie auch gewesen ist, dem Rezensenten fällt auf, dass Eisners "Reinfall" auf das Argument der zaristischen Aggression, die einen deutschen Kriegseintritt legitimieren würde, eigentlich als Versagen zu begreifen wäre. Doch im ganzen schätzt er die Empathie des Autors und lobt die sorgfältige Recherche.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2001
Freya Eisners Einschätzung der Arbeit zu Leben und Werk des sozialdemokratischen Politikers Kurt Eisner ist zwiespältig. Einerseits betont sie, dass Grau keinerlei "neue Erkenntnisse" bietet, die nicht schon in der Forschung zu Tage gefördert worden sind. Auch moniert sie nachdrücklich die "störenden Wiederholungen und Längen", die das Buch aufweist. Andererseits findet die Rezensentin, dass der Autor sich mit viel Einfühlungsvermögen in die Person des Politikers versetzt hat, und er die Überlegungen zum politischen Kurs Eisners im sogenannten "Revisionismusstreit" zwar etwas langatmig, aber "höchst plausibel" beschreibt. Dass Grau allerdings behauptet, die Entgegnung Eisners auf eine Rede Bernsteins sei in der Forschung bisher so gut wie unbeachtet geblieben, empört die Rezensentin, hat sie doch selbst zu diesem Thema eine Arbeit vorgelegt.
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