Bücherschau der Woche
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Felix Philipp Ingold
Auf den Tag genaue Gedichte
Klappentext
Felix Philipp Ingold ? man kennt ihn als dunklen Dichter, als eigenwilligen Übersetzer und anspruchsvollen Essayisten ? überrascht mit einer Sammlung von Alltags- und Gelegenheitsgedichten, die in der Art eines poetischen Taschenkalenders Aphoristisches, Sprachspielerisches, Lyrisches, Triviales, Erinnertes, Geträumtes, Imaginiertes, Assoziiertes, An- und Aufgelesenes wie zufällig aufeinander folgen lassen. Was sich »wie zufällig« ausnimmt, ist aber das Ergebnis einer streng durchgehaltenen Schreibbewegung, der sich der Autor während eines Jahres unterzogen hat: jeden Tag, 366 mal, war ein Gedicht im stets gleichbleibenden Umfang von drei Zeilen zu notieren, wobei Ingold grundsätzlich jeden Impuls ? eine Zeitungsschlagzeile, eine sinnliche Wahrnehmung, eine auftauchende Reminiszenz ? aufnimmt und umsetzt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2001
Hans-Herbert Räkel erinnern diese Gedichte, die mit Ort und Datum ihrer Entstehung versehen sind, geradezu an die "Losungen eines Hundertjährigen Kalenders, eines hinkenden Botens, einer frommen Hauspostille", was jedoch negativer klingt, als es offenbar gemeint ist. Denn gleich anschließend betont der Rezensent, dass Ingold innerhalb dieses Genres "einige sehr schöne Bilder" gelingen. Wenn es darum geht, die Gedichte selbst zu erläutern, lässt Räkel den Dichter selbst sprechen, der darauf hinweist, dass seine `spielerische Wortarbeit eine Errungenschaft des poststrukturalistischen Dekonstruktivismus` sei und dass hier nicht nur die `Bedeutungsebene, sondern auch (...) seine schiere Buchstäblichkeit` entscheidend ist. Räkel weist darauf hin, dass es in diesem Band auch zahlreiche `Leergedichte` gibt, die lediglich aus Punkten bestehen. Diese gehören seiner Ansicht nach jedoch nicht zu den Stärken des Bandes: "schal" und ohne Überraschungen, lautet Räkels Urteil. Doch insgesamt bescheinigt der Rezensent Ingold bei seinen anderen Gedichten durchaus die Fähigkeit, "etwas zu sagen".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2001
"Man soll sie nehmen, diese Gedichte", meint Martin Zingg. Die Gründe, die er uns dafür angibt, sind allerdings nicht sehr überzeugend. Dass auf 100 Seiten lyrischer Arbeit viel erlaubt ist, wie er schreibt, "Assoziationen so gut wie Erinnerungen, Zitate und Träume", nun ja. Und ist nicht ein jedes Notat - nicht nur das "tägliche lyrische", um das es hier geht - Ordnungsprinzip und Lizenz zugleich? Wenn der Rezensent gleichsam hinter den vielen kleinen Texten, den täglichen, auch einen großen Text erblickt, so ist das ja immerhin etwas. Mehr jedenfalls als Gedichte, die - wie apart - vom "assoziativen Spiel mit Wörtern" zeugen.
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