Aus dem Amerikanischen von Karen Nölle-Fischer. Wir sind im Jahr 1930, in North Carolina. Jim Glass ist zehn Jahre alt, und sein Blick beginnt die Welt um ihn allmählich bewusster wahrzunehmen. Jim lebt zusammen mit seiner verwitweten Mutter und ihren drei Brüdern auf einer Farm. Den frühen Tod von Jims Vater hat die Mutter nie überwunden. Noch immer trägt sie Trauer und weigert sich, den Schwiegervater zu sehen, der einige Zeit im Gefängnis verbracht hatte. Diese dunklen Punkte und die Geheimnisse in seiner Familie lässt Jims kindliche Offenheit nur umso zerbrechlicher erscheinen. Die tragische Geschichte, wie der Ort Aliceville zu seinem Namen kam, die lange ersehnte Reise ans Meer, der Kauf eines Pferdes, die Spaziergänge mit den Onkeln - mit jedem neuen Kapitel formt sich die Identität des Kindes, macht es allmählich zu einem Mitglied seiner Familie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.09.2001
Als eine der "vielversprechendsten Neuentdeckungen der amerikanischen Literatur" preist Ulrich Sonnenschein den Autor. Sein Debütroman, in dem er das Leben eines 10-jährigen Jungen auf dem Land in einem Zeitalter vor dem Fernsehen vor knapp hundert Jahren schildert, sieht der Rezensent als einen aufschlussreichen Blick in die Vergangenheit, ohne dass Earley in die Falle der Idealisierung und Nostalgie getappt sei. Sonnenschein lobt das Buch als spannend, obwohl oder gerade weil es so handlungsarm und ereignislos ist, und er attestiert dem Autor, dass es ihm hervorragend gelungen sei, die "Grundbedingungen der menschlichen Existenz" zur Zeit unserer Großeltern zu schildern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2001
Kabinettstück ist die Bezeichnung, die Michael Schmitt für dieses Buch wählt. Dabei hat es immerhin gut 200 Seiten. Ausschlaggebend aber für diese Charakterisierung und für die, ja, die Zufriedenheit des Rezensenten nach der Lektüre sind wohl eher das Unaufgeregte und das Episodische der Geschichte, die, so heißt es hier, der Autor mit leichter Hand erzähle. Zusammen mit der Glaubwürdigkeit der gewählten kindlichen Perspektive, einer Genauigkeit im Detail und der Thematisierung moralischen Empfindens ohne Zeigefinger wird für den Rezensenten ein Schuh draus.
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