Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2001
Den Titel findet der Rezensent Rolf Lamprecht gelinde gesagt etwas übertrieben: Nur der Hauptessay des Bandes leiste jene "tiefgründige Psychoanalyse" der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die der Titel eigentlich erwarten lasse. Bei den anderen Texten vermutet Lamprecht, dass Jessen seine Feuilletons aus "Zeit" und "Berliner Zeitung" einfach noch mal neu herausbringen wollte. Um des Hauptessays willen aber findet Lamprecht den Band lesenswert. In seiner Kritik belässt er es dabei mit einem mehr oder weniger wohlwollenden Referat der Thesen Jessens. Als zentrale Lebenslüge macht er in Jessens Diagnose eine auf komplizierte Art und Weise verdrängte Nazivergangenheit aus. Versteht man Lamprecht richtig, so sieht Jessen diese Verdrängung gerade in einer allgemein akzeptierten Kollektivschuldthese verwirklicht. Hieraus scheinen sich weitere Lebenslügen abzuleiten, etwa die Konsumorientierung der deutschen Gesellschaft oder das Leistungsprinzip, ohne dass ihr logischer Zusammenhang mit der zentralen Vergangenheitslüge in Lamprechts Kritik völlig ersichtlich wird.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…