Aus dem Englischen von Gerlinde Althoff. Alan Moores und Eddie Campbells preisgekrönte 3-bändige Jack-the-Ripper-Saga. Am Vorabend des 20. Jahrhunderts werden Prinzen, Polizisten und Prostituierte in einen apokalyptischen Danse Macabre verwickelt. In eine Mordserie, die bis heute für Spekulationen sorgt. Denn gerade weil der Täter nie gefasst wurde, strahlt der Fall Jack-the-Ripper eine Faszination aus, wie kein anderes Gewaltverbrechen. Bei Moore und Campbell wird der Fall Jack-the-Ripper wird zum Brenn- und Scheidepunkt, an dem das viktorianische Zeitalter endet und das 20. Jahrhundert, das Jahrhundert des Massenmords, beginnt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2001
Für Christian Gasser ist Alan Moore ist ein "großer Erneuerer des (...) Mainstream-Comics". Zehn Jahre lang habe er sich mit Jack the Ripper beschäftigt, und heraus kam: Ein Comic als Gesellschaftsstudie, in der es einmal nicht nur um die Demaskierung des Täters geht, der im Jahre 1888 fünf Prostituierte aufschlitzte, sondern eine möglichst lückenlose Chronologie der Ereignisse. Wie sind Adel und Bourgeoisie in den Mordfall verwickelt? Wie sah der Alltag der umgebrachten Frauen aus? Der Comic ist in schwarzweiß gezeichnet, was für Gasser eine "klaustrophobische Wirkung" erzielt. "Bild und Wort", lobt der Rezensent, verbinden "belegte Tatsachen und eigene Interpretationen zur unerbittlichen Autopsie einer Gesellschaft."
Martin Zeyn hält Alan Moore für den größten "Comic-Psychologen der Gewalt" nach Wilhelm Busch, und bescheinigt ihm, ein ebensolcher "Schwarzseher" zu sein. Nach Meinung des Rezensenten zeichnet diese Jack-The-Ripper-Geschichte die Sozialgeschichte des Viktorianismus nach und dies auf eine unaufdringliche und undirekte Weise. Das ist durchaus ein Kompliment seitens Zeyns, trotzdem kritisiert er eine Aufwändigkeit und einen manchmal langatmigen Realismus. So beanspruche allein die Schilderung einer Kutschfahrt 30 Seiten. Die schwarz-weißen Zeichnungen des Illustrators passen laut Zeyn zum Ziel des Autors und sind taktisch angelegt. Der Rezensent befindet, dass die Huren in diesem Comic mehr als nur die Opfer eines berühmten Mörders sind, und meint, ein "größeres Lob" für eine Jack-The-Ripper-Geschichte gebe es nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2001
Rezensent Fritz Göttler weist den Leser darauf hin, dass es sich hierbei um den ersten von insgesamt drei Bänden handelt, die er zusammen als "eins der epischen Meisterwerke der Neunziger" betrachtet. Insgesamt eine "düstere" Geschichte aus dem viktorianischen England, findet Göttler, in der die Farbe Schwarz vorherrscht. Es geht um ein illegitimes Kind Prinz Alberts. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, wird ein Arzt mit der `final solution` beauftragt wird. Die Folgen werden - wie der Leser erfährt - als "mysteriöse Serie der Jack-the-Ripper-Morde in die Geschichte eingehen". Göttler lobt die präzise und detaillierte Erzählung der Autoren und weist besonders auf die Quellen im Anhang hin. Schließlich macht der Rezensent auf den bisher auf deutsch noch nicht erschienenen dritten Band aufmerksam, in dem einer der Morde mit solch grauenhafter Anschaulichkeit geschildert werde, dass der Band "in manchen Ländern verboten werden sollte".
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