Undine Eberleins Begriff des "romantischen Individualismus" bezeichnet eine radikal individualisierte Form der Sinnstiftung, Selbstthematisierung und Lebensgestaltung. Sie gewährleistet Identität und Orientierung in der modernen Gesellschaft. Die Studie beleuchtet philosophische und soziologisch Positionen zur Individualisierung von Hegel bis zur Gegenwart und entwickelt daran eine Theorie des romantischen Individualismus.
Ziemlich interessant, "präzise" und vor allem "gut lesbar" findet Thomas Schäfer diese Arbeit von Undine Eberlein zum romantischen Individualitätskonzept, von dem die Ansprüche, die wir an uns selbst haben, (Selbstfindung bzw. Selbsterfindung) bis heute nachhaltig geprägt sind. Zumindest beschreibt er ziemlich interessiert, zu welchen verschiedenen Erkenntnisse die Autorin in ihrer Studie kommt. Eine zum Beispiel ist, dass sich gegenwärtig der Akzent von Selbstfindung zu Selbsterfindung zu verändern scheint, an anderer Stelle konstatiert die Autorin einen Wandel von "gesellschafts- und systemkritischen Orientierungen hin zur Systemkonformität der Individualitätsidee". An dieser Stelle hätte Schäfer sich wohl gewünscht, dass sie ihre Zurückhaltung, was die Bewertung dieser Phänomene angeht, konsequenter durchgehalten hätte: "Dies scheint die Autorin trotz ihrer erklärten Zurückhaltung in wertender Hinsicht offensichtlich zu beklagen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.01.2001
Sehr kritisch, dabei aber voller Verständnis für die Problematik widmet sich die Rezensentin der vorliegenden Studie zu verschiedenen Individualitätskonzepten. Mit der Feststellung der für die Arbeit grundlegenden Opposition von romantischer und moralischer Individualität und des weiteren Ansinnens der Autorin, das romantische Individualitätskonzept genauer zu untersuchen, macht Andrea Roedig zugleich auf die prekären methodischen Prämissen der Studie aufmerksam: Der versuchte Spagat zwischen soziologischem und philosophischem Ansatz, schreibt Roedig, ermögliche der Verfasserin einerseits zwar eine von normativen Fragen weitgehend unberührte Beobachterhaltung mit der Option, systematische Fragestellungen dennoch mit einzubeziehen, andererseits jedoch werde die Analyse dadurch mitunter diffus. Der doppelte Ansatz, so will es der Rezensentin scheinen, geht zu Lasten sowohl des individuellen Blicks der Autorin als auch der Konkretheit der Untersuchung.
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