Ein intimes Fresko aus dem wilhelminischen Deutschland und der Weimarer Republik. Alles ist geladen mit Spannung und Schärfe. Ausgewählt, erläutert und mit einem Nachwort von Dieter Heim.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.07.2000
Bereits 1987 hatte der Verlag Matthes & Seitz mit einer Herausgabe aus dem Nachlass auf "das Phönomen Wense" hingewiesen, schreibt Wolfgang Schreiber. Mit diesem Band von Briefen und Tagebuchnotizen aus der Jugendzeit " (zw. 1906 und 1927) hat der einfühlsame Herausgeber Dieter Heim einen weiteren Mosaikstein zum Verständnis des "Sonderlings" (Botho Strauß) geliefert. An den "glühenden Worten und kantigen Sätzen" des Autors, der sich auch als Komponist, Übersetzer und Geograf versuchte, ist nachvollziehbar, warum von der Wense einmal als "Hoffnung des deutschen Expressionismus" gegolten hat - besonders deutlich wird, so Schreiber, warum ein so kompromissloser Mensch, der sich später dem Kulturbetrieb völlig entzog und die Einsamkeit suchte, mit der Musik verbunden fühlte. Er besuchte "zwanghaft" Konzerte und befreundete sich mit dem Dirigenten Hermann Scherchen, dem die Durchsetzung der modernen Musik des 20.Jahrhunderts (Hindemith und Krenek beispielsweise) zu verdanken ist. Von der Wenses Wut und Enttäuschung gilt dem Bürgertum, das sich die Musik als "Stimmungsmaschinerie" und "Gepäcknetz aller bürgerlichen Gemüts-Mobs" unterworfen hat. Der "von poetischem Verständnis gezeichnete" 50-seitige Exkurs des Herausgebers über Jürgen von der Wense lässt Schreiber hoffen, dass dieser nach der Sammlung aus der Jugend noch mehr vom Lebenswerk des "genialen Eigenbrötlers" zugänglich macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Den Komponisten und Dichter schildert Lorenz Jäger in seiner sehr engagierten Rezension als einen "absoluten Solitär". Von der Wense war Zeitgenosse und Augenzeuge der Revolution im Berlin nach dem Ersten Weltkrieg. Seine Aufzeichnungen, so Jäger, seien ein "großes Zeitdokument" aus dieser Episode. Eindrucksvoll sei auch die Schilderung einer Begegnung mit Clara Zetkin, nachdem sie von der SPD in die USPD, die Vorläuferin der Kommunistischen Partei, übergetreten war. Jäger nennt den stolzen Aristokraten, der tagsüber im Soldatenrat mitwirkte und abends in die Oper ging, einen "großen Beobachter".
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