Ist Gerechtigkeit wirklich als relationales Prinzip von Gleichheit oder aber als die Erfüllung von Basisstandards des menschenwürdigen Lebens für alle zu verstehen? Der Band versammelt Texte führender Gleichheitskritiker wie Michael Walzer, Harry Frankfurt oder Joseph Raz.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2002
Egalitarismuskritik meint, erklärt uns Michael Schefczyk, dass Ungleichheit moralisch nicht unbedingt anstößig sei. Das meinte Maggie Thatcher auch, als sie in den 80er Jahren die Armut in ihrem Land für besiegt erklärte. Doch anders als Thatcher lehnten die Egalitarismus-Kritiker eine Umverteilungspolitik nicht ab. Für sie stellte Gleichheit bloß keinen moralischen Eigenwert dar, stellt Schefczyk fest. Zu den bekanntesten Egalitarismus-Kritikern zählen Harry Frankfurt, Michael Walzer, Elizabeth Anderson und Martha Nussbaum, und sie alle hat Herausgeberin Angelika Krebs in ihrem Buch versammelt. Sie propagieren eine humanistische Gerechtigkeitstheorie, so Schefczyk, die bei der Menschenwürde, dem Recht der Menschen auf ein gutes Leben ansetzt - wie immer das aussieht. Hier sieht der Rezensent einen der Schwachpunkte dieser Theorie, für die Gerechtigkeit zwar "nichtrelational" sei, aber etwas schwammig "kulturspezifische Konkretisierungen" benötige. Gibt es ein "gutes Leben" ohne Fernseher? Schefczyk befürchtet, dass damit hintenherum doch wieder der Egalitarismus Einzug hält, da man doch zur Festlegung bestimmter Standards (mit oder ohne Badewanne?) gezwungen sein könnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.10.2000
Ralf Grötker begrüßt den Sammelband, der aus dem Englischen übersetzte Texte zur Kritik des Egalitarismus bietet. Er lobt die Auswahl der Herausgeberin, die ein `ausgewogenes Bild` des Diskussionsstandes vermittelt und sieht wichtige Begriffe in der Debatte um Egalität geklärt. Das Buch räumt mit der veralteten Vorstellung auf, dass Gleichheit mehr Gerechtigkeit bedeute und bringt `Klarheit` in die begrifflichen Zusammenhänge, so der Rezensent anerkennend. Bis auf zwei Aufsätze seien die Beiträge zudem gut lesbar und kämen ohne `theoretische Abgehobenheit` aus. Und so resümiert der Rezensent, dass sich durch die Ausführungen zwar praktisch nichts ändert, die Verhältnisse aber zumindest `neue Begründungen` erhalten.
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