Aus dem Serbischen von Bärbel Schulte. Der Schriftsteller Labud Ivanovic verbringt die letzten Jahre seines Lebens in der Emigration, wo er auch stirbt. Der Bibliothekar Damjan Savic lebt in Belgrad, arbeitet im Magazin der Bibliothek, bis er die Aufgabe erhält, den Nachlaß des verstorbenen Ivanovic zu ordnen und zur Veröffentlichung vorzubereiten. Der Literaturhistoriker aus Übersee, Adam Rosenberg, dessen Vorfahren aus Europa emigrierten, plant einen Roman, dessen Protagonist die Vita dreier Autorenbiografien (eine davon die Ivanovics), die sich auf ungewöhnliche Weise berühren, in sich vereinigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Die Kritik dieses Romans bildet den Aufmacher dieser FAZ-Literaturbeilage. Lothar Müller beschreibt ihn unter anderem auch als ein Buch über die Eisenbahn im ehemaligen Jugoslawien, und mehr noch in Ost- und Südosteuropa. Das polyzentrische Streckennetz des ehemaligen Habsburger-Reichs wird nach Müller zum Gegenbild für ein "polyzentrisches, labyrinthisches" Erzählen, in dem Velikic an Vorbildern wie James Joyce und besonders Danilo Kis festhalte. Überzeugend legt Müller dar, wie dem serbischen Autor - Mitglied der im Herbst 99 gegründeten Gruppe 99 von Schriftstellern aus verschiedenen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens - ein geradliniges Erzählen von einem Ursprung aus als gefährliche Vereinfachung und Mythenbildung erscheinen müsse, die ja gerade bei den nationalistischen serbischen Autoren so verhängnisvoll wirkte. Unablässig suche Velikic in seinem Streckennetz auch nach Verbindungen zum Westen. Das Buch spielt in den sechziger Jahren und verhalte sich "spröde" zu den Neunzigern. Und dennoch rumore die jüngste Geschichte als "untergründige Panik" in diesem Roman.
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