Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Aus dem Französischen neu übersetzt von Manfred Zander. Mit einem Nachwort von Karl Markus Michel. Das Tausendundeine Nacht des Abendlands. Das Dekamerone der Aufklärung. 66 Tage voller Fantastik, Kabbalistik, Komik und Erotik. Die Geschichte dieses Romans ist selbst ein Roman. Seine Entstehung fällt in die Jahre 1803 bis zu Potockis Tod im Jahr 1815. Bereits 1805 erscheint der Anfang in St. Petersburg, allerdings nur als Privatdruck. Eine deutsche Übersetzung dieses Teils erscheint mit Billigung des Autors 1809 in Leipzig unter dem Titel "Abentheuer in der Sierra Morena". 1813 erschien eine Fortsetzung des Petersburger Teils in Paris unter dem Titel "Avadoro – Histoire espagnole". Das von Potocki zur Veröffentlichung nach Paris geschickte vollständige Manuskript bleibt unauffindbar, trotz intensiver Nachforschung von Alexander Puschkin, der eine russische Übersetzung plant. Erst 1847 erscheint eine erste vollständige polnische Version, wobei der Übersetzer mehr nacherzählt als übersetzt und das französische Original aus dem Potocki-Privat-Archiv nach vollbrachter Tat vernichtet. Erst jetzt konnte das französische Originalmanuskript fast vollständig rekonstruiert werden. Auf dieser Fassung basiert unsere Neuedition in der Übersetzung von Manfred Zander – mit sieben Illustrationen von Almut Gernhardt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2001
Ganz berauscht schreibt Felix Philipp Ingold über dieses Buch. Nach 1000 Seiten enzyklopädischen Wissens und überbordender Phantastik muss das wohl so sein. Die von ihm angesprochene "präkere Quellenlage" des Textes, die selbst diese "bisher umfangreichste deutschsprachige Ausgabe" zu einem "Kompilat von unsicherem Status" macht, wird da schnell zur Nebensache. Um so intensiver widmet sich Ingold der "mythopoetischen Einbildungskraft und der künstlerischen Ambition" des Autors und macht uns gleichzeitig klar, dass wir uns von diesem Roman weder eine Wirklichkeitsentsprechung noch einen rekapitulierbaren Plot erwarten dürfen. Stattdessen erwarte den Leser so ziemlich alles, was menschlichem Wissen und menschlicher Imagination erreichbar sei - ein Patchwork aus formalen und thematischen Versatzstücken des Schauer- Ritter- und Bildungsromans, der orientalischen Erzählkunst, der alteuropäischen Mythologie, der religiösen Erbauungsliteratur usw., usw. Und wenn uns bei der Lektüre auch so manches von dem entgehe, was der Autor habe sagen wollen, lautet die nach der Mitteilung solcher Fülle für Erleichterung sorgende Prophezeiung des Rezensenten, das Buch werde uns gleichermaßen durch Unterhaltungs- und Erkenntnisgewinn belohnen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Olga Martynowa preist das Buch des polnischen Grafen, der sich 1815 das Leben nahm, als "Jahrhundertwerk", das nun nach fast 200 Jahren zum ersten Mal vollständig veröffentlicht worden ist. Der vorliegende Roman, dessen französische Originalfassung heute verschollen ist, sei das "Ergebnis 50-jähriger Arbeit von zahlreichen Forschern", die ihn mühsam rekonstruiert haben. Das Resultat ist, wie die Rezensentin findet, ein "hinreißender Abenteuerroman", der neben Elementen der Gothic Novel und des Traktats auch an eine Enzyklopädie und an ein Tagebuch erinnert. Der Leser werde von dem abenteuerlichen Geschehen mitgerissen und könne sich einem "ungetrübten Lesevergnügen" hingeben, so die begeisterte Rezensentin, die zudem die Übersetzung überschwenglich lobt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Stefan Wackwitz beschreitet trockenen Fußes und klaren Kopfes die verschlungenen Pfade der äußerst komplizierten Editionsgeschichte der `Handschrift`, einer Sammlung erotischer Geister- und Gespenstergeschichten aus dem frühen 19. Jahrhundert. Sie wird dem polnischen Grafen Jan Potocki zugeschrieben, der sich zu dem Buch, das zu seinen Lebzeiten nie gedruckt wurde, nicht bekannt hat. Ein französischer Offizier ist als fiktiver Herausgeber benannt. Es wird noch viel komplizierter, erläutert Wackwitz: in die schauerromantische Textsammlung scheinen sich einige Fremdstücke eingeschlichen zu haben, deren Herkunft niemand kennt. Die Schachtelmethode - die Geschichte in der Geschichte in der Geschichte - wird damit, so Wackwitz, teilweise weit über die Grenzen der Verständlichkeit hinaus strapaziert. Dennoch ist er fasziniert von der `postmodernen Faktur` der Textsammlung, die einen nahtlosen Sprung von der Goethezeit ins 21. Jahrhundert vollzieht, von der phantastisch-allegorischen Komik dieses Novellen-Genres, das sich selbst `die komische Sterbeurkunde ausstellt`.
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