Aus dem Persischen von Susanne Baghestani und Kurt Scharf. Im Juli 1924 besucht das amerikanische Ehepaar Robert und Katherine Imbrie Teheran, ohne jede Vorkenntnisse, der Mann will Fotos bei einer schiitischen Massenzeremonie machen, außerdem einen Hund retten und kommt bei der anschließenden Pöbelei ums Leben. 1953 gelingt es der CIA und dem britischen Geheimdienst, ein subversives Netz unter den Gegnern des demokratisch gewählten persischen Premiers Mossadegh zu knüpfen, und die legitime Regierung wird gestürzt. Es folgen die Schreckensherrschaft des Schahs und anschließend die der Ayatollahs. 1978 kommt ein Großneffe Robert Imbries nach Teheran, um dem gewaltsamen Tod seines Onkels nachzugehen, er hat eine heftige Affäre mit der Iranerin Minâ, beide kommen bei einem Anschlag auf ein Restaurant ums Leben, das Amerikanern als Treffpunkt diente. 1988 wird Resâ, der Zwillingsbruder Minâs und Widerstandskämpfer sowohl gegen das Schah-Regime als auch gegen die Herrschaft der Mullahs, bei den Massenhinrichtungen des Regimes getötet. Die Gewalt hält an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2012
Für Rezensent Stefan Weidner ist Amir Hassan Cheheltans Roman "Amerikaner töten in Teheran" nicht weniger als ein "Wunder der iranischen Erzählliteratur". Er liest das Buch einerseits als Dokufiktion, die durch die literarische Gestaltung realer Ereignisse die Geschichte des amerikanisch-iranischen Zerwürfnisses nach dem von der CIA gesteuerten Sturz des demokratischen Präsidenten Mossadegh im Jahre 1953 erkläre. Darüber hinaus beleuchte Cheheltan aber auch die Rolle der Iraner: letztendlich hätten opportune Militärs und der von Irrationalität getriebene Mob den Präsidenten vertrieben. Im Gegensatz zur gängigen, hochpolitisierten iranischen Literatur gelinge es dem Autor, kein Urteil vorzugeben, stellt der Rezensent voller Anerkennung fest. Ein wunderbar "schillerndes" und subtiles Buch, lobt der Kritiker, der sich allerdings eine weniger unbeholfene Übersetzung gewünscht hätte.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 12.10.2011
Ist dieser Roman nun anti- oder proamerikanisch? Das ist die größte Sorge des Rezensenten Ingo Arend. So richtig entscheiden kann er sich nicht, dabei möchte er den Roman doch gern politisch korrekt einordnen. Cheheltan sucht nach den Gründen, warum die Amerikaner bei vielen Iranern so verhasst sind. Er beschreibt in seinem in sechs Episoden gegliederten Roman, je eine historisch verbürgte Ermordung eines Amerikaners in Teheran. Damit zielt er, so Arend, auf die kollektive Psyche seines Landes, das seit dem CIA-Staatstreich gegen das Land im Jahr 1953, um den auch der Roman als Zentralereignis kreise, auf den "geliebten Feind? USA fixiert sei. Cheheltans "Sarkasmus und sein erbarmungsloser Blick? helfe dabei über manche Widersprüche in der Erklärung der Handlungsmuster hinweg. "Irrationalität" mag der Rezensent als Erklärung jedenfalls nicht gelten lassen. Und doch hat man am Ende den Eindruck, dass ihm der Roman gefallen hat, denn Cheheltan veredle seine faktische Grundlage immer wieder zu "reiner Poesie".
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