Die jüngsten Aufstände in der arabischen Welt zeigen erneut: Die Demokratie hat nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Und doch macht sich in den westlichen Ländern seit etlichen Jahren Politikverdrossenheit breit. Selbst in freiheitlichen Gesellschaften stellt man einen rasanten Verlust des Vertrauens vor allem in die Parteiendemokratie fest. Wie passen diese Entwicklungen zusammen? Claus Leggewies Streitschrift analysiert die Beziehung zwischen der Zivilgesellschaft und den klassischen politischen Institutionen. Ausgehend vom Phänomen des "Wutbürgertums" und einer sich verändernden Engagement- und Protestkultur in Europa zeigt er, wie sich die Vorstellungen von Politik und Demokratie gewandelt haben. Wie werden aus Wutbürgern Mutbürger? Welche Formen politischen Engagements sind zukunftsfähig?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.09.2011
Wo der Staat eingreift, muss er seine Bürger mitbestimmen lassen. So denkt sich der Essener Politikwissenschaftler Claus Leggewie seinen "neuen Gesellschaftsvertrag". Für Stephan Hebel klingt das zwar ermutigend aber ungenau. Leggewie lasse zu viele Fragen offen, meint Hebel, zum Beispiel, wie die von Leggewie vorgeschlagenen "Zukunftskammern" genau funktionieren sollen. Eines wird für Hebel aus Leggewies Buch in jedem Fall klar, die Notwendigkeit der "Demokratisierung der Demokratie". Dabei machen mehr Plebiszite noch lange keine Mitbestimmung. Eine wichtige Erkenntnis, für deren Umsetzung man in Deutschland noch lange brauchen wird, meint Hebel.
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