Vom Sehnsuchtsort zum Stinkstiefel, so erscheint uns Italien. Arkadien war früher, heute rümpfen wir die Nase. Aber können wir das Land eigentlich noch verstehen? Und ist Italien wirklich Berlusconien? In dieser Italienreise kommen die Protagonisten aus Politik und Fernsehen zu Wort, aber auch die Bürger einer ebenso schillernden wie beunruhigenden Postdemokratie. Ob im separatistischen Norden oder im Mafiabeherrschten Süden, Italien scheint völlig außer Rand und Band. Halb Zirkus, halb Dschungelcamp, und überall gilt das Recht des Stärkeren. Birgit Schönau trifft Bürgermeister, die sich für Sheriffs halten, Minister, die öffentlich Gesetze verbrennen, und Fußballer, die gegen die eigene Regierung spielen. Sie besucht die neuen Herren und die neuen Sklaven am Rande Europas. Sie beschreibt ein Land zwischen Größenwahn und Katastrophe, dessen Bewohner wie Zuschauer im Zirkus erscheinen, die aber sehr genau wissen, was sie tun.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2011
Auf die Italientour der Zeit-Korrespondentin Birgit Schönau kommt Hans Woller gerne mit. Woller trifft hier einfache wie prominente Leute von Mailand bis Palermo und hört sie reden. Das so entstehende Bild erscheint dem Rezensenten höchst differenziert, licht- und schattenreich gleichermaßen, und das Problem, das Italien hat, entsprechend komplex (es ist nicht nur Berlusconi). Komplexer sogar, als manche von Schönaus Thesen. Wie passt das zusammen, fragt sich Woller des Öfteren beim Lesen. Und ist froh, dass die Autorin keine wohlfeilen Antworten parat hat, sondern packende Geschichten aus einem Land in der Krise.
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