Fast 22 Jahre lang war Johannes Gerster für die CDU Mitglied des Deutschen Bundestages, bevor er von 1997 bis 2006 die Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem leitete. In seiner Autobiografie erzählt er, wie es war, in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in Mainz aufzuwachsen, und wie stark er durch sein Elternhaus geprägt wurde, ganz besonders durch den Vater (Bleib unabhängig!). Offen und durchaus selbstkritisch beleuchtet er seine politischen wie auch persönlichen Triumphe und Krisen. Zuallererst aber ist Johannes Gerster ein Zeitzeuge, der in vielerlei Funktionen erlebt hat, wie Politik gemacht und wie Geschichte geschrieben wird: sowohl im Neue-Heimat- wie auch im Guillaume-Untersuchungsausschuss, beim Fall der Mauer, bei der Wiedervereinigung und am deutlichsten im Nahen Osten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2011
Angetan zeigt sich Rezensent Jochen Zenthöfer von dieser Autobiografie des Politikers Johannes Gerster. Das Buch unterscheidet sich für ihn wohltuend von vielen anderen Politiker-Erinnerungen durch seine Ambivalenz und den Verzicht, die Welt erklären oder sich selbst beweihräuchern zu wollen. Auch wenn der bodenständige Jurist und CDU-Politiker eher ein Mann der zweiten Reihe war, bescheinigt ihm Zenthöfer einige Bedeutung. Besonders hebt er Gersters Rolle als Aufklärer im Skandal um das einstige DGB-Wohnungsunternehmen "Neue Heimat" sowie sein langjähriges Engagement für die israelisch-deutsche Freundschaft und den Frieden im Nahen Osten hervor.
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