Insa Wilke beleuchtet in diesem ersten biografischen Essay über Thomas Brasch die Schnittstelle von Leben und Arbeiten und ermöglicht so einen neuen Blick auf die Bedeutung seines Werkes für unsere Zeit. Auf Grundlage umfangreicher Nachlassmaterialien zeichnet sie einen bisher unbeachteten Schreib- und Denkversuch nach, der von der historischen Zäsur 1989 auf das 21. Jahrhundert ausstrahlt. Wilkes Untersuchung zeigt, wie Brasch die Grenzen zwischen Leben und Arbeiten, Ästhetik, Politik und Biografie aufhebt und so ein wildes Denken über unsere Zeit beginnt. Brasch, der derzeit auch als Filmemacher wiederentdeckt wird, ist eine singuläre Gestalt der deutschen Literatur seiner Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2010
Eine Frage bleibt für Sabine Brandt auch nach der Lektüre von Insa Wilkes, wie sie eindeutig feststellt, starker Arbeit zu, über und für Thomas Brasch: Wie konnte dieser Dichter, wie konnte so ein Riesenwerk so rasch in Vergessenheit geraten? Dass es am Untergang der DDR liegt, an der Brasch sich Zeit seines Lebens abarbeitete, kann Brandt nur vermuten. Bei Wilke findet sie indes jede Menge Material für ein literaturwissenschaftlich vorgebildetes Publikum. So umfangreich ihr das Buch mit all den Mitteilungen, Verknüpfungen und Untersuchungen auch erscheint, so sehr weiß Brandt auch, dass Brasch selbst dieses Korpus zu verantworten hat, mit dem sich die Autorin hier in aller Ausführlichkeit, mit Präzision und laut Rezensentin durchaus mit Erfolg befasst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2010
Dass man sich dem Dichter Thomas Brasch noch einmal auf eine Art nähern würde, die ebenso klug und genau wie neuartig und abseits von Legenden wäre, Rezensent Hans-Peter Kunisch hätte es kaum noch für möglich gehalten. Brasch schien ihm schon im Orkus der vergessenen Autoren verschwunden, zu seinem Bedauern. Nun aber feiert Kunisch nicht nur Insa Wilkes formal der Biografie entrinnendes Buch, sondern auch Braschs radikales, von seiner "Biografin" hier dialektisch aus seiner DDR-Geschichte erfragtes Literaturkonzept. Über die Wiedergeburt des Dichters aus genauer Lektüre, freut sich Kunisch. Und auch über die erstmalige groß angelegte Beschäftigung mit Braschs gigantischem "Bruhnke"-Nachlass.
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