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Samuel Pepys
Samuel Pepys: Die Tagebücher 1660-1669
Vollständige Ausgabe in 9 Bänden nebst einem "Companion"
Klappentext
Herausgegeben von Gerd Haffmans und Heiko Arntz. Aus dem Englischen von Georg Deggerich, Michael Haupt, Arnd Kösling, Hans-Christian Oeser, Martin Richter und Marcus Weigelt. Ein Knabenmorgenblüthentraum wird Wirklichkeit. Der ganze Pepys erscheint auf Deutsch. Kein kleiner Pepys, keine Auswahl, kein weiteres Stück- und Flickwerk, sondern "Die Tagebücher des Samuel Pepys" komplett: für Verliebte, für Eheleute, für Pornophile, für Historiker, für Wissenschaftler, für Manager, für Politiker, für Theaterfreunde, für Genießer, für Meeres-, Musik- und Literaturliebhaber. Erst das vollständige Tagebuch mit seinen Eintragungen Tag für Tag, Jahr um Jahr, fast ein Jahrzehnt lang, erzählt den ganzen Roman seines Lebens.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2010
Samuel Pepys war der Mann, der lebte, was Montaigne nur dachte - so fasst es der Rezensent Martin Mosebach zusammen. Pragmatisch, offen und ehrlich, nicht zuletzt mit sich selbst, und allen Genüssen, die das Leben selbst in schwierigen Zeiten zu bieten hat, zugewandt. Dies ist der Mann, den Mosebach auf den Seiten seines nun erstmals in vollständiger Übersetzung ins Deutsche erschienenen geheim und stenografisch geführten Tagebuchs vorstellt. Glücklich verheiratet (im Prinzip), dann aber auch erst glücklich, dann meist eher zerknirscht, wenn er die Ehefrau mal wieder für ein Viertelstündchen betrügt. Dabei, so Mosebach, sind die meist in fremder Sprache dann aber auch wieder nicht im Ernst verschlüsselten "Stellen? keineswegs die interessantesten Momente dieses Riesenkonvoluts, das ein Zeitalter auf den Nenner seiner Abenteuer des Alltags bringt. Pepys war ein im übrigen erfolgreicher Mann im wichtigen Flottenamt, der viele kannte und vieles erlebte und der diese Tagebücher in seiner riesigen Bibliothek für die Nachwelt offen versteckte. Mosebachs großer Artikel ist weniger eine Rezension, nicht dieser Edition und schon gar nicht der Übersetzung, als das Porträt dieses Manns, für den er, das wird klar, außerordentliche Sympathien empfindet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2010
Die erste vollständige deutschsprachige Ausgabe der Tagebücher des Samuel Pepys hat Lothar Müller anzuzeigen. Pepys war Erster Sekretär des Flottenamts unter König Charles II. und notierte Tag für Tag Alltagserlebnisse, neueste Nachrichten und Gerüchte, Intrigen bei Hofe oder Katastrophen wie den großen Brand von London im Jahr 1666, erklärt der Rezensent. Das neunbändige Werk nebst einem Begleitband lässt den Leser tief ins Londoner Leben zwischen 1660 und 1669 eintauchen, so tief, dass er vielleicht mitunter befürchtet darin zu ertrinken, meint Müller, der rät, sich den täglichen Aufzeichnungen ohne Hast zu nähern. So kristallisiert sich ein Autor heraus, der die Instrumente seines Berufs, die getreuliche Buchführung, auch an sein eigenes Leben anlegt und so zu einem sehr genauen Porträt seiner Zeit gelangt, das selbst wenn es von Liebesabenteuern oder moralischen Zweifeln handelt, nicht zum Dokument der Innenschau wird, wie uns der Rezensent erklärt. Dieses Tagebuch ist vom "Geist der Buchhaltung" durchweht, dem Dokumentieren des prosaischen Alltags verpflichtet, so Müller fasziniert. Die Übersetzung gefällt ihm, wenn ihm auch nicht recht ersichtlich ist, warum mancher Ortsname ins Deutsche übertragen wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2010
Rezensent Werner von Koppenfels würdigt Samuel Pepys als "ersten großen und exemplarischen Diaristen". Die Tagebücher des Sekretärs der englischen Marineverwaltung, die jetzt erstmals in einer vollständigen deutschen Ausgabe in neun schönen Bänden vorliegen, bergen in seinen Augen Suchtgefahr für den Leser, war Pepys doch nicht nur ein fleißiger Staatsdiener, Geschäftsmann, Gourmet und Zecher, sondern auch ein präzis beobachtender Chronist, der die Umwälzungen seiner Zeit genau protokollierte. Er schwärmt geradezu von den "unvergesslichen Bildern", die sich in diesen Tagebüchern finden und die den Leser zu Augenzeugen des Barock machen. Getrübt wird Koppenfels' Freude an der vorliegenden Ausgabe indes durch die deutsche Übersetzung. Diese liest sich seines Erachtens trotz einiger Schnitzer zwar "angenehm flüssig". Bei näherer Betrachtung findet er sie aber wesentlich flüssiger als das Original. Dies missfällt dem Rezensenten, denn durch die zahllosen Glättungen geht für ihn viel verloren, und so hält er dem Übersetzerteam "mangelnden Respekt vor dem Text" vor.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.11.2010
Endlich sind diese Aufzeichnungen des englischen Barockschriftstellers auch auf Deutsch zu haben, jubelt Hans von Trotha, der außerdem kund und zu wissen gibt, dass diese Tagebücher erst 1825 überhaupt entdeckt worden sind: Ein "literarisches Wunder" und "einzigartiges Monument der Weltgeschichte", lesen wir. Einzigartig macht diese Aufzeichungen des englischen Politikers für Trotha die Tatsache, dass es sich um minutiöse Chroniken des Alltags von Samuel Pepys handelt, wie er liebe, seine Frau betrüge, Wasser lasse, seine Perücken zum Entlausen bringe oder dem englischen Königspaar beim Essen zuschaue. Auch Pest und die Feuersbrunst, die 1666 London zerstörte, kommen vor, so Trotha, der in einem endlosen Zeitkontinuum eine schier unermessliche Fülle von Details und Gedanken aufblühen sieht: eine "Daily Soap" aus dem Barock, aber auch ein "Nachschlagewerk der menschlichen Seele".
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