Alina Bronsky

Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Roman
Cover: Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2010
ISBN 9783462042351
Gebunden, 336 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Am Anfang tut sie alles, um nicht Großmutter zu werden: Im Jahr 1978 ist Rosalinda wild entschlossen, die Schwangerschaft ihrer viel zu jungen und viel zu dummen Tochter zu beenden. Doch das misslingt, und sobald Aminat auf der Welt ist, entbrennt ein rücksichtsloser, grotesk-komischer Kampf um sie. Jenseits des Urals herrschen klare Verhältnisse: Die Tatarin Rosalinda bestimmt, ihr Gatte Kalganov spurt, und ihre Tochter Sulfia benimmt sich schlecht. Es mangelt an vielem, aber nicht an Ideen, und schon gar nicht an Willenskraft. Es steht also immer etwas Scharfes auf dem Tisch, und alle größeren Malheurs, die Sulfia anrichten könnte, werden verhindert. Nur ihre Schwangerschaft nicht, und auch nicht die Geburt von Aminat, dem genauen Gegenteil ihrer Mutter: schön, schlau, durchsetzungsfähig - ganz die Großmutter eben. Rosalinda steht zum ersten Mal einem Geschöpf gegenüber, das ihr ebenbürtig ist, und wird die leidenschaftlichste Großmutter aller Zeiten. Im ungleichen Kampf zwischen der glücklosen Sulfia und der rücksichtslosen Rosalinda wird das Mädchen zur Wandertrophäe.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.09.2010

Als Balanceakt zwischen Klamotte und Tragikomödie begeistert Rezensentin Iris Radisch diese ungewöhnliche wie abgründige russische Einwandergeschichte, der sie Charme, Cleverness, eine große zynische Nonchalance und kühle Ironie bescheinigt. Denn nicht nur die listige, scharf kalkulierende Erzählhaltung der Autorin, auch das weibliche Monster von Familienoberhaupt hat es der Kritikerin angetan - für sie eine emblematische Nachfahrin der Matroschka, die sie mit unsentimentalen - vermutlich "im Stalinismus erworbene" - Überlebenstechniken beeindruckt. Das matriarchische Regiment scheint am Ende dazu zu führen, dass neben der Großmutter nur die Enkelin überlebt (alle anderen sterben an Entkräftung), die einen pädophilen deutschen Akademiker heiratet und damit endlich eingebürgert wird. Radisch hatte großes Vergnügen mit diesem Roman, auch wenn er manchmal die Grenze zum Klamauk überschreite.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2010

Drei Frauen, drei Kulturen erkennt Andrea Diener im Zentrum dieses Romans von Alina Bronsky. Allerdings merkt Diener schnell, um wen es sich hier vor allem dreht: um Rosalinda, Tatarin, Mutter und Oma und temperamentvoll wie eigensinnig - als Familienoberhaupt, Erzählerin und Erpresserin "dummer, gieriger Männer". Von einem Familienroman möchte Diener der Genauigkeit halber also nicht sprechen, zumal Männer eigentlich nicht vorkommen. Außerdem erscheinen Diener die Verhältnisse, die hier erzählt werden (Pädophilie, Abhängigkeiten etc.) dann doch allzu düster. Dass der schwebende Ton dazu nicht recht passen will, gibt uns die Rezensentin zu bedenken, aber auch, dass der Text unterhaltsam ist und am Ende sogar kathartisch wirkt!
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