Aus dem Portugiesischen von Kurt Scharf. Marçal Aquinos dritter Roman Flieh. Und nimm die Dame mit. erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Fotografen Cauby und der jungen, mysteriösen Lavinia. Eine Recherche über Prostituierte führt den Journalisten in eine düstere Goldgräberstadt im Norden Brasiliens, wo er Zeuge der zunehmenden Spannungen zwischen Arbeitern und der Bergwerksgesellschaft wird. Er verfällt der wankelmütigen Lavinia, die manchmal verängstigt und verletzlich wirkt, manchmal ihre verführerischen Reize ausspielt. Zudem ist sie verheiratet mit einem viel älteren, sehr beliebten Fernsehprediger. Cauby will sich von ihr trennen, doch er wird in einen Mordfall verwickelt und alles kommt ganz anders. In weiteren Rollen: ein ehrbarer Berufsmörder, ein dichtender Zeitungsmacher, ein empfindsamer Polizist und ein Gürteltier namens Zacharias. Dicht und ironisch erzählt Aquino eine berührende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Konflikte in der Goldgräberstadt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2010
Ein Buch über die Liebe, wenn es schlecht läuft, hat Kersten Knipp gelesen. Und sich dann umso mehr gefreut, dass es doch noch ein Happy End gibt in Marcal Aquinos Roman. Die Geschichte zwischen dem Fotoreporter Cauby und der Prostituierten Lavinia spielt in einer Goldgräberstadt im brasilianischen Nordosten. Herbe Sitten und Missstände konstatiert Knipp als Hintergrund und verortet den Roman also zwischen Liebesgeschichte und Milieuschilderunug. Um das Sittenbild scharfzustellen, muss sich der Rezensent allerdings ganz schön beeilen. Rasant durch einen lakonischen Stil, knappe Sätze und kurze Szenen, rettet sich der Text selbst vor dem Melodramatischen. Eine ausgewogene Mischung aus Liebe und sozialer Realität, befindet Knipp, auch wenn er schon Eindringlicheres zum Thema gelesen hat.
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