Aus dem Französischen von Frank Ruda und Jan Völker. "Ist Politik denkbar?" ist ein philosophisches wie politisches Buch, aber kein Buch der politischen Philosophie. Es stellt die Frage, wie sich angesichts realsozialistischer Verwaltung und stalinistischer Pervertierung der kommunistischen Idee der universale Anspruch einer wahrhaft emanzipatorischen, kollektiven Politik aufrechterhalten lässt? Damit richtet es sich gegen die der politischen Philosophie lieb gewordene These einer Krise des Politischen. Das Politische rekurriert aber allein auf die angemessene Repräsentation des Sozialen, weswegen seinen Theoretikern nichts teurer ist, als die Unterscheidung einer guten von einer schlechten Staatsform, der Demokratie vom Totalitarismus. Dem setzt Badiou einen Begriff der Politik unter dem Vorzeichen der Praxis entgegen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.04.2010
Für Christian Schlüter ist Alain Badiou ein Autor, den es bei uns noch zu entdecken gilt. Drum freut sich Schlüter auf die für Juni anstehende Kommunismuskonferenz in Berlin genauso wie über die deutsche Ausgabe dieser bereits 1984 gehaltenen Vorlesungen, in denen Badiou Begriffen wie Struktur, Institution, Gesetz, Recht und Ordnung auf den Zahn fühlt. Wenn dabei absurde oder simplizistische Konstellationen herauskommen, ist Schlüter auch damit glücklich, denn dann sieht er journalistische Erwartungen oder Strickmuster vorgeführt. Bei aller Sperrigkeit der Diktion überwiegt für Schlüter das Glück, sich von Badious unakademischem "Denken der Aktualität" anregen und auf ein Ende unserer Demokratie vorbereiten zu lassen.
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