Aus dem Französischen von Richard Fenzl. Wenn zum Juli Frankreich die Ratspräsidentschaft der EU von Portugal übernimmt, wird sich das Interesse wieder verstärkt auf die zentrale europäische Macht-Achse Frankreich-Deutschland konzentrieren. Joseph Rovan stellt in seinem Buch "Im Zentrum Europas" genau diese Macht-Achse in den Mittelpunkt seiner Untersuchung über die europäische Geschichte der letzten hundert Jahre. Er entwirft dabei die Utopie eines geeinten Europas, das im Konzert der Weltmächte eine wichtige Rolle spielen kann, wenn es gelingt, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und sich den modernen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen.
Weniger eine systematische Darstellung europäischer Geschichte von Bismarck bis zum Euro, schreibt Joachim Fritz-Vannahme, ist dieser Band des emeritierten französischen Publizisten, als eine Ansammlung von "Gedanken und Erinnerungen". Manches ist dem Rezensenten aufgestoßen, z.B. dass der Autor die Zeit des Kolonialismus als Globalisierung bezeichnet, wo doch Indien beispielsweise kein autonom handelnder Staat war. Viel mehr stört ihn jedoch noch, dass Rovan von einer Art Euro-Patriotismus zu einer Haltung kommt, die im Stichwort von der Festung Europa schon viel kritisiert worden ist. Für Rovan ist der innere und äußere Feind der "angeblich wachsende Islamismus", schreibt Fritz-Vannahme, und bedauert, dass die Zukunftsversion Europa hier "in den Farben der Furcht" gemalt ist.
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