Bücherschau der Woche
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Georg Klein
Roman unserer Kindheit
Klappentext
Georg Klein versetzt uns zurück in das Licht der frühen sechziger Jahre, an den Rand einer süddeutschen Stadt. Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt Neubaublöcke, amerikanische Kasernen, eine Laubenkolonie, ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien. Doch dann kommen die Boten: der Mann ohne Gesicht, der Fehlharmoniker, der mysteriöse Kommandant Silber. Und als der taube Sittichzüchter die Ermordung eines der Siedlungskinder voraussagt, müssen der ältere Bruder und seine Freunde auf die Nachtseite des Sommers überwechseln. Dort gilt es, das Böse durch einen großen magischen Tauschhandel zu bannen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2010
Geradezu schwärmerisch spricht Roman Bucheli über Georg Kleins "Roman unserer Kindheit". Der Rezensent ist dem Autor, für ihn ein "exzellenter Interpret und Exeget der menschlichen Abgründe", nur zu gern gefolgt in jene Bezirke der Existenz, wo alles auf der Kippe steht zwischen Leben und Tod, Wahn und Wirklichkeit, Traum und Trance. Auch in der Welt des vorliegendes Romans, einer Neubausiedlung zu Beginn der sechziger Jahre während der großen Sommerferien, wo sich in den Spielen der Kinder die Nöte der Erwachsenen spiegeln, scheint ihm nichts so harmlos, wie es zunächst wirkt: vieles gerate aus den Fugen und im Verborgenen schlummere großes Unglück. Mit Lob bedenkt Bucheli die Sprache Kleins, eine "zärtlich-sanfte" Sprache, die alles Erdenschwere in einer "poetischen Schwebe" halte. Beeindruckt hat ihn zudem die Erzählerfigur, wobei er nicht verraten möchte, wer oder was sich hinter dem Wesen verbirgt, das die Geschichte erzählt.Das Fazit des Rezensenten: eine "bewegende Lektüre", nach der man die Welt nicht mehr mit den gleichen Augen sieht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2010
Als "Geniestreich" feiert Ina Hartwig diesen Roman über eine Kindheit, die als "Kinderschauergeschichte für Erwachsene" in gewisser Weise auch von der Kindheit der westdeutschen Demokratie erzählt. Und zwar "opak, dicht, verrückt, hässlich und irre schön". Bereits die Wahl des seltsam surrealen Ich-Erzählers mit seinen wechselnden Identitäten ist aus ihrer Sicht von geradezu grandioser Geschmacklosigkeit. Und erst der Protagonist: der von Erzählsucht befallene Junge, den ein Unfall in eine merkwürdig hilflose Lage bringt, weshalb ihn die Clique im umgebauten Kinderwagen durch die Siedlung fährt, wo das brüchige Idyll der Nachkriegswelt der Erwachsenen bald nur noch von seiner Nachtseite geschildert wird. Aus den verzerrenden Augen einer nachwachsenden Generation, die aus der Perspektive des temporären Kinderinvaliden in nachgerade abgründige Grotesken zerfällt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010
Katharina Teutsch ist enttäuscht. Da lockt sie der imaginationsstarke Autor mit verdichtetem Mythos und Metapher, mit "Staub, Blut und Gebein", mit den Schächten und Gängen eines Kindheitskosmos', mit der Schicken Sybille und dem Ami-Michi, mit Tag- und Nachtseiten, so dass sie Georg Klein schon für einen würdigen Nachfolger Enid Blytons hält. Und dann? Lässt der Autor die Rezensentin im Ungewissen. Verunsicherungstechniker! Andeutungsextremist! Bluffer!, schimpft Teutsch, heiß angeschriebene und doch kalt gelassene Rezensentin. Bei aller Bewunderung, sagt sie.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2010
Höchst fasziniert ist Christopher Schmidt von Georg Kleins jüngstem Roman, den er ohne einen Hauch von Zweifel als dessen "bestes Buch" preist. Tief taucht der Autor darin ein in die magische Welt der Kindheit, die, wie der Rezensent schreibt, so allgemeingültig ist wie die "Mythen und Märchen". Der Roman handelt von einem Kindermörder, der in Gestalt eines Bären von einer Kinderbande in einer Provinzstadt der 60er Jahre gejagt wird, lässt der Rezensent wissen. Die schier endlosen Sommerferien werden uns dabei so "abgründig" vor Augen geführt, als hätte David Lynch ein Remake vom "Es geschah am helllichten Tag" aus den 50er Jahren vorgelegt, so Schmidt weiter. Der Kinderbande wird eine Gruppe von Kriegsversehrten gegenübergestellt, deren Kriegserlebnisse mit den Gewalterfahrungen der Kinder seltsam korrespondieren und deren Schilderung der Rezensent als ein Glanzstück dieses Romans bejubelt. Und der Roman überzeugt den Rezensenten mit seiner abgründigen Erzähllust, seinem feinen Netz an Verweisen und Verbindungslinien, seiner "schalkhaften Dämonie" und seiner seltsamen Traumlogik als die "wahre Geschichte unserer Kindheit".s
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2010
In Superlativen schwärmt Judith von Sternburg von Georg Kleins "Roman unserer Kindheit", der für sie dennoch ein typischer ?Klein-Roman' ist. Sein bisher dickstes, überraschendstes, mit der "irrwitzigsten" Erzählerfigur ausgestattetes Buch habe man hier vor sich, das in den frühen 60er Jahren in der Kinderwelt spielt, wie die Rezensentin erklärt. Vergangenheitsseligkeit darf man laut Sternburg trotz des überzeugenden Zeitkolorits allerdings nicht erwarten, denn der Autor gehe gewohnt "scharfsinnig" ans Werk, wenn er inmitten einer Kinderbande eine unerklärliche Bedrohung inszeniert und nebenbei eine "Wundertüte der Erzählkunst" vor den Lesern ausschüttet, wie die Rezensentin preist. Und am Ende entpuppt sich die so authentisch wirkende Kinderwelt als virtuos erzielte, artifizielle Authentizität und Sternburg muss, wiewohl sehr begeistert, erkennen, dass sie sich vom Erzähler Klein hat "reinlegen lassen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2010
Als "atemberaubendes psychedelisches Kindheitsmuster" feiert Rezensentin Jutta Person diesen neuen Georg-Klein-Roman, den sie schwarzmagisch, monströs, ja, schlicht fantastisch findet. Bereits der "hinterhältige Titel" hat es ihr angetan. Denn soviel "Beinstumpf und Prothese, Stottern und Kriegsblindheit" habe es in einem Kindheitsroman lange nicht gegeben. Und so viel Verzerrungs- und Verwandlungskunst auch nicht. Es geht um einen Jungen, lesen wir, der durch einen Unfall für einen Sommer zum Invaliden wird und in diesem Zustand seinen Freunden von allerlei Grauen fabuliert, das sich, so man die Kritikerin recht versteht, mit real existierenden Leichen in historischen deutschen Kellern aber auch mit der ganzen Menschheitsgeschichte kurzschließen lässt. Und dann gibt es noch eine Erzählerin, lesen wir, noch ungeboren, der der "Falsettkünstler" Georg Klein ein "perverses Fistelstimmchen" auf die Stimmbänder legt. Wie das alles zusammengeht, erschließt sich dem Leser dieser Kritik nicht ganz, aber an der Euphorie der Rezensentin besteht kein Zweifel. Also: selber lesen!
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