Der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht, die schwäbisch-alemannische Fasnet und der Münchener Fasching boten den Nationalsozialisten eine ideale Plattform, ihre politischen Ziele und ihre Ideologie innerhalb der angestrebten "Volksgemeinschaft" zu propagieren. Die Nationalsozialisten erkannten die einheitsstiftende Funktion des Karnevals und machten sich sein politisches Potenzial zunutze: In der Bütt wurden antisemitische Witze gerissen, Juden in Liedern und auf Mottowagen verhöhnt, Politiker des Auslands verspottet. Widerstand gegen die ideologische Vereinnahmung des Volksfestes gab es kaum. Unangepasste Karnevalisten - Büttenredner sowie andere Künstler - setzte man massiv unter Druck. Regimekritische Narren wurden verhaftet, einige gar zum Tode verurteilt.
Wenig erheiternd dafür aber ziemlich erhellend fand Klaus Hillenbrand diesen wissenschaftlichen Ausflug in die Abgründe der NS-Humor-Abteilung. Der Schwerpunkt des Buches liege auf Kölns Nazikarnevalisten, aber auch Spuren nach Berlin, Freiburg oder Chemnitz würden verfolgt. Insgesamt kommt das Buch zu dem Ergebnis, schreibt Hillenbrand, dass die NSDAP den Karneval schnell propagandistisch (und besonders antisemitisch) instrumentalisierte, aber die lokalen Karnevalsverbände in vorauseilendem Gehorsam ihren Humor auch schnell den Machthabern angedient hätten. Interessant findet der Kritiker auch, wie die Nazis alte Karnevalstraditionen im Zuge ihres antisemitischen oder homophoben Menschenbildes abgeschafft hätten, die männlichen Funkenmariechen zum Beispiel - wobei es bis heute geblieben sei. Auch der Fall des hingerichteten Präsidenten des Düsseldorfer Karnevalsvereins Leo Statz, der 1943 betrunken Zweifel am Endsieg geäußert hatte, komme vor.
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