Marko Martin

Schlafende Hunde

Erzählungen
Cover: Schlafende Hunde
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783821862255
Gebunden, 382 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Motivisch verbundene Geschichten aus Teheran, Prag, Mexico-City, Nizza, Israel, dem Kongo und anderswo: Liebe, Sex und Leben in einer globalisierten Welt. Junge Männer aus der iranischen Upper-Class, die sich aus der Enge einer geschlossenen Gesellschaft in eine nicht weniger formierte Privatexistenz flüchten; junge Israelis, die sich plötzlich in die Realität von Terroranschlägen und zweiter Intifada katapultiert sehen; ein homosexueller Museumsführer aus Berlin, der seine traumatische DDR-Vergangenheit Jahr für Jahr in zwei glamourösen Urlaubswochen an der Cote d'Azur vergessen will: Marko Martins Erzählungen demonstrieren eine hierzulande seltene Welthaftigkeit und eine unerschöpfliche Neugier, die aus der Faszination des Erotischen nicht das geringste Geheimnis macht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2010

Hellauf begeistert ist Rezensent Oliver Jungen von Marko Martins Erzählband "Schlafende Hunde", den er für seine erzählerische Intensität und gleichzeitig reportagehafte Welthaltigkeit preist. Zumeist geht es in diesen Geschichten in die Fremde, die häufig durch homosexuelle Liebesgeschichten erschlossen wird, wie der Rezensent bemerkt. In einer Erzählung besucht ein schwules Pärchen Freunde in Somalia, dann macht ein Protagonist Erfahrungen in der Berliner Schwulenszene, in einer anderen Geschichte nagt trotz regelmäßiger Nizza-Urlaube der Gram am Helden, seine "besten Jahre" in der DDR versäumt zu haben, erklärt der Rezensent. In der brillanten Sprache der Erzählungen, die stets mitten ins hervorragend recherchierte Geschehen springen, sich nicht mit Erklärungen aufhalten und auf auktoriale Gesten verzichten, gelinge Martin eine Unmittelbarkeit, die seine Texte zu fast "subkutanen Reportagen" macht, schwärmt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.01.2010

Rezensent Jens Bisky ist im Großen und Ganzen sehr angetan von diesen Geschichten Marko Martins, die seiner Meinung nach "Kabinettstücke engagierter Literatur" sind und trotz ihrer kosmopolitischen Ausrichtung auch die Erfahrungen reflektieren, die der Autor durch seine Jugend in der DDR gemacht hat: Wären Schulen, was sie sein sollten - "dies wäre ein Text fürs Schulbuch", ruft Bisky. Besonders die "kleineren Erzählungen", die fernab des großen historischen Ereignissen stattfinden, findet Bisky gelungen. Doch so sehr ihm die Substanz der Geschichten gefällt - mit ihrer Präsentationsform ist der Rezensent nicht so recht zufrieden. Zu journalistisch findet Bisky Martins Tonfall, zu oft zieht der Autor ein Fazit, das die Geschichte in solcher Deutlichkeit gar nicht bräuchte - "als wäre der Leser zu dumm". Das, wie auch ein mitunter "verhängnisvoller Hang zur Tirade" lassen die Geschichten "platter" wirken, als sie eigentlich sind.

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