Bücherschau der Woche
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Klappentext
Im Berlin der Jahrhundertwende schrieb Else Lasker-Schüler ihre ersten Gedichte, war in zweiter Ehe mit dem Schriftsteller und Avantgarde-Förderer Herwarth Walden verheiratet, zeitweise mit Benn liiert, mit Georg Trakl befreundet. Franz Marc malte ihr seinen berühmten "Turm der blauen Pferde". Sie war die Radikalste unter diesen Radikalen, stand im Zentrum des künstlerischen Aufbruchs, der in Literatur, Kunst und Musik völlig neue Wege beschritt. Ihr Werk ist stark autobiographisch geprägt und vereinigt phantastische und religiöse Elemente mit einer ausgeprägten Naturliebe. 1932 mit dem angesehenen Kleist-Preis ausgezeichnet, musste sie nur ein Jahr später vor den Nationalsozialisten in die Schweiz fliehen, von wo aus sie 1939 nach Palästina emigrierte. Dort starb sie 1945, ihr Grab liegt auf dem Ölberg in Jerusalem.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2010
Die Lasker-Schüler lebendig! Diese Illusion hat Jörg Magenau beim Lesen dieser romanesk einfühlsamen Biografie von Kerstin Decker. Dass die Autorin der Lebensproblematik der Dichterin, Realität und Fiktion miteinander zu verwechseln, recht nahe kommt, erkennt Magenau auch daran, dass Decker auch vor mancher Trivialität, ja vor Unsinn nicht zurückschreckt. Insgesamt aber fühlt sich Magenau durch Deckers empathischen, Widersprüche zulassenden, rasanten Stil sehr gut eingeführt in die Liebes- und Leidens- und Schaffensgeschichte dieser "größten Lyrikerin des Jahrhunderts" (Benn).
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.03.2010
In einer Doppelrezension legt uns Beate Tröger begeistert Else Lasker-Schülers Theaterstück "Ichundich" ans Herz und rät verärgert von der neuen Biografie von Kerstin Decker ab. Denn derart distanzlos nähere sich die Berliner Journalistin ihrer Protagonistin, mit solch unerschrockener Einfühlung und furchtlos spekulierend, wo die Quellenlage nichts hergibt, dass die Rezensentin diese Lebensbeschreibung getrost als "Romanbiografie" bezeichnet. Unangemessen findet sie die Angriffe gegen die Germanistik, denn Decker greift, wie Tröger betont, längst revidierte Fehlurteile der Literaturwissenschaft heraus, ignoriert die neuere Forschung dagegen geflissentlich. Besonders genervt zeigt sich die Rezensentin vom anempfundenen Lasker-Schüler-Ton, der das Buch durchzieht, hier aber nicht dichterische Originalität, sondern "verschwurbelte" und nicht selten unfreiwillig komische Passagen generiert, wie sie ätzend konstatiert. Vielleicht hätte ein gründliches Lektorat manchen Fehlgriff ausbügeln können, an den grundsätzlichen Mängeln dieser in Trögers Augen gänzlich überflüssigen Biografie hätte auch das nichts ändern können, da ist sich die Rezensentin sicher.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.01.2010
Zwiespältig sieht Oliver Pfohlmann das Ergebnis von Kerstin Deckers Annäherungen an die Biografie von Else Lasker-Schüler und entdeckt gleichzeitig einen "empathic turn" in der aktuellen Biografik. Er würdigt die Herangehensweise der Berliner Journalistin, die bereits Lebensbeschreibungen von Heinrich Heine und Paula Modersohn-Becker vorgelegt hat, als mitunter erhellende Einfühlung in die Lebensrealität der Dichterin. So findet es der Rezensent offenbar durchaus angemessen, wenn Decker den angeblichen "Turm" am Elternhaus Lasker-Schülers, den die Forschung längst als Fiktion erkannt hat, dennoch als "seelische Wahrheit" anerkennt. Auch sieht er in der vorliegenden Biografie die tragikomischen Aspekte von Lasker-Schülers Existenz besser herausgearbeitet als in der Lebensbeschreibung von Sigrid Bauschinger. Problematisch aber findet er Deckers empathische Vorstöße, wenn sie "mehr zu wissen glaubt" als ihre Protagonistin. Zudem fällt dem Rezensenten der Überblick über den in lauter "Nahaufnahmen" dargebotenen Lebensweg schwer, wie er kritisiert.
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