Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Man dachte groß von der Kunst im Haus des Verlegers Bruckmann. Unter der Regie der Salonniere Elsa Bruckmann traf sich ein elitärer Kreis, den das Unbehagen an der Moderne einte. Im Mittelpunkt standen die Charismatiker, Visionäre, Geistesaristokraten: Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Harry Graf Kessler, Houston Stewart Chamberlain, Norbert von Hellingrath u. v. a. Nach dem Ersten Weltkrieg machte der Salon eine bemerkenswerte Entwicklung zum politischen Salon durch. Im Dezember 1924 trat hier Adolf Hitler auf und gehörte nun mit Rudolf Heß und Alfred Rosenberg zu den Gästen. War im Hause Bruckmann ein Gesinnungswandel eingetreten? Oder liegen die Gegensätze enger beieinander, als es scheint?
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.01.2010
Nicht wirklich überraschend findet Rezensent Stefan Mahlke die Ergebnisse dieser Studie von Wolfgang Martynkewicz. Der Autor führt für ihn detailliert vor Augen, wie Teile der kulturellen Elite Münchens im Salon Bruckmann beim Aufstieg des Nationalsozialismus mitmischten. Die enorme Fülle der Belege, die Martynkewicz dafür ausbreitet, lässt ihn immer wieder erschrecken, mindert aber auch ein wenig das Lesevergnügen. Dass Adolf Hitler höchstpersönlich ab 1924 ein gern gesehener Gast des Salons war, wo er die Elite Münchens kennen lernte, wundert Mahlke dann nicht wirklich. Er hebt indes hervor, dass Hitler einen Rainer Maria Rilke, einen Stefan George oder einen Thomas Mann nicht begegnete, verkehrten sie zu dieser Zeit doch nicht mehr im Salon Bruckmann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.01.2010
Von 1899 bis 1941 führte das Verlegerehepaar Hugo und Elsa Bruckmann am Münchner Karolinenplatz seinen Salon. Geradezu exemplarisch führt der Wandel der geladenen Besucher den Wandel der Zeiten vor Augen. Waren zunächst noch Thomas Mann oder Rainer Maria Rilke, aber auch der Rassentheoretiker Houston Stewart Chamberlain regelmäßig zu Gast, hatte dann in den zwanziger Jahren ein in München lebender Rechtsradikaler namens Adolf Hitler seine ersten Auftritte bei Bruckmann. Die gemäßigt Konservativen traf man zu dem Zeitpunkt freilich schon nicht mehr am Karolinenplatz an. Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Martynkewicz erzählt die Geschichte dieses Salons nun als die Geschichte der bürgerlichen Elite, der der Übergang von künstlerischer zu politischer Autoritätshörigkeit leicht fiel. Der Rezensent Johannes Willms widerspricht da zwar nicht, findet aber, dass man in der Studie nichts grundsätzlich Neues erfährt. Und ein "Skandalon" mag er in diesem Salon und seiner Geschichte, anders als der Autor, nicht erkennen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.01.2010
Eine "provokante These" weiß Literaturwissenschaftler Wolfgang Martynkewicz in seinem Buch über den "Salon Deutschland" zu belegen, der 1899 vom Münchner Verlegerehepaar Bruckmann eröffnet wurde, lobt ein hoch interessierter Oliver Pfohlmann. Der Autor, profunder Kenner der Zeit, wie der Rezensent betont, legt darin überzeugend dar, dass die Geisteselite Deutschlands bereits seit 1900 bereit für die Nazis und ihr gewaltvolles, antisemitisches Gedankengut war, erklärt Pfohlmann. Er preist das Buch, das sich auf die Salonbesucher und ihre Gastgeber konzentriert und damit ein Echo des vielstimmigen Prinzips des Salons darstellt, als gründlich recherchiert und brillant geschrieben. Besonders fasziniert ihn dabei wie im "Salon Deutschland" die ästhetische Moderne - Hugo von Hofmannsthal, Thomas Mann oder Max Reinhard verkehrten hier - und der Nationalsozialismus zusammentrafen, denn Elsa Bruckmann war bereits seit 1924 begeisterte Hitler-Anhängerin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2010
Geduldig lesen wir Stefan Breuers ellenlange Besprechung bis zum Schluss und siehe da: Es tauchen doch noch ein, zwei Sätze auf, die Wolfgang Martynkewiczs Buch über Aufstieg und Fall des Salons Bruckmann, in dem zunächst die deutsche Geistesaristokratie ein und aus ging, später dann auch Adolf Hitler und seine Gesellen (und der keinesfalls gleich das ganze Deutschland bedeutet, wie Breuer betont), genauer charakterisieren. Präzise, stilsicher und gottlob frei von volkspädagogischen Attitüden sei es. Außerdem voll von neuem Material, das der Autor aus den Archiven geholt hat, in den Urteilen differenziert und klischeefrei. Na bitte, geht doch.
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