2 CDs, circa 120 Minuten. Mit dem Radio-Essay von Klaus Ramm: "Die Stimme ist ganz Ohr - Zu den Lautprozessen von Carlfriedrich Claus" (CD 2) Die "Basalen Sprech-Operationsräume" sind die letzte Radioproduktion des 1930 in Annaberg-Buchholz am Erzgebirge geborenen, 1998 in Chemnitz gestorbenen Carlfriedrich Claus. Sie bilden den Abschluss eines Werkes, das in der Geschichte der Akustischen Literatur in vieler Hinsicht Einzigartigkeit für sich beanspruchen kann. Wohl kaum ein anderer Autor hat den modernen Gedanken einer Eigendynamik und Materialität der Sprache so radikal ernst genommen, und kaum ein anderes Werk der Kunst und Literatur des 20. Jahrhunderts ist in einem so wörtlichen Sinne experimentell zu nennen wie die handschriftlichen "Sprachblätter" und auf Tonband aufgezeichneten "Lautprozesse" von Claus, der sein Leben ganz seiner ästhetischen Arbeit verschrieben hatte. Die ästhetische Praxis seines Projekts einer experimentellen Autobiografie wird in den "Basalen Sprech-Operationsräumen" hörbar. Das Ausgangsmaterial des Werkes bilden 17 einzelne Lautprozesse, die Claus zwischen 1993 und 1995 in seiner Annaberger Wohnung aufgezeichnet hatte. Im Mai 1996 fand in der Stadthalle Chemnitz die Produktion des Stückes für den Bayerischen Rundfunk statt. Die einzelnen Sprechoperationen wurden dabei in einer binauralen Tonaufnahme verräumlicht. Durch die Aufnahme in Kunstkopfstereofonie, die eine Wiedergabe mit Kopfhörern erfordert, befindet sich der Zuhörer im Zentrum eines akustischen Geschehens, das für ihn teilweise als Umgebung, teilweise auch im eigenen Kopf hörbar wird. Die unterschiedlichen Sprechoperationen sind nunmehr als autonome bewegliche Objekte in einem extremen, von keiner "realistischen" Illusionsbildung eingeschränkten akustischen Raum angeordnet. Die Linearität der herkömmlichen technischen Aufnahme weicht der Komplexität von Schichtung und Simultanität der unterschiedlichen akustischen Elemente.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2010
Hier gibt es, verspricht mit aller Emphase der Lyriker Michael Lentz, eine Welt zu entdecken, am Rande der Sprache. Der Experimentalkünstler Carlfriedrich Claus verschlägt in den hier nun versammelten Laut-Text-Hörbüchern der Sprache den Sinn und bewegt sich höchst kunstfertig am Rand dessen, was zwischen Sprechen und anderweitiger Lautproduktion menschenmöglich ist. Die Konsequenz, mit der Claus zwischen Leben (in der DDR) und Kunst streng zu trennen nicht bereit war, macht, wenn man Lentz glaubt, die Faszination des Werks entscheidend mit aus. Und nicht nur die hier präsentierten neun Hörsequenzen findet der Rezensent staunenswert, auch den beigegebenen Radio-Essay von Klaus Ramm wie auch den Booklet-Text von Michael Grote kann er als kongenial beziehungsweise instruktiv nur loben.
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