Kürzlich war Karl Barth bei mir, um mir zu sagen, dass er eine unglückliche Liebe zu mir habe und gerne ins Reine kommen möchte, berichtete Erik Peterson 1922. Der Austausch zwischen beiden gewährt einen Einblick in die Bemühungen zweier hochkarätiger Theologen, sich über Theologie und Kirche in der Gegenwart zu verständigen. Dieser Briefwechsel bildet das Herzstück des Bandes. Ergänzt wird er durch Tagebuchaufzeichnungen, autobiographische Texte sowie die abgründigen Briefe Petersons an Theodor Haecker, außerdem durch Korrespondenzen mit Rudolf Bultmann, Hans Urs von Balthasar, Gerardus van der Leeuw, Friedrich Heiler, Oscar Cullmann u.a. So bietet dieser Band die Chronik einer aufwühlenden religiösen Biographie zwischen 1910 bis 1960, abgerundet von Erinnerungen an Peterson aus der Feder vieler Weggefährten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2009
Vorbildlich ediert findet Jan-Heiner Tück diesen von Barbara Nichtweiss herausgegebenen Band mit Vorträgen, Essays, Briefen und Tagebuchnotaten des Theologen Erik Peterson. Die Lektüre eröffnet ihm sowohl Petersons Ablehnung des liberalen Kulturprotestantismus, als auch sein über Thomas von Aquin entwickeltes Theologieverständnis. Dabei stößt er auf originelle Exkurse (über Offenbarung und Vernunft), aber auch auf Befremdliches, wie Petersons Betonung kirchlicher Autorität und seine Rechtfertigung der Inquisition. Davon abgesehen aber empfiehlt der Rezensent dem heutigen Theologen das Buch als Möglichkeit, das eigene Profil zu schärfen.
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