Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Auf der Tastatur ihrer Schreibmaschine treibt Friederike Mayröcker Wort- und Satzmagie. Sie setzt die Dimensionen von Zeit und Raum außer Kraft, verwandelt die Sinne, läßt Wunder geschehen: Ihre Verse machen uns sehen, was sich unserer Anschauungskraft entzieht, heben ins Schwerelose, was außerhalb der Poesie der Vergänglichkeit alles Profanen unterliegt. Friederike Mayröcker schreibt nicht auf, wie die Wirklichkeit ist - das Schreiben selbst erzeugt die Wirklichkeit: unmittelbar und intensiv. Zum 85. Geburtstag der Autorin versammelt dieses Buch sämtliche zwischen Jahresbeginn 2004 und März 2009 entstandenen Gedichte. Zusammen mit dem Band "Gesammelte Gedichte" (2004) liegen damit alle lyrischen Texte vor, die Friederike Mayröcker jemals zur Publikation bestimmt hat.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.01.2010
Höchst empfehlenswert findet Iris Radisch diesen neuen Band aus der Wiener Papierwerkstatt der Friederike Mayröcker. Ein lyrisches Tagebuch sei das, schreibt Radisch, die Gedichte entsprechend mit den Daten, manchmal sogar den Uhrzeiten ihres Entstehens versehen. Es gehe um viel, zum Beispiel Freunde, den verstorbenen Gefährten Ernst Jandl, Musik oder Natureindrücke. Dabei spürt die Kritikerin musikalische Kompositionsformen in den Texten, sieht romantisches Vokabular dominieren, all dies jedoch perforiert durch Parenthesen, Kursivsetzungen oder Zitate. Manchmal hat sie den Eindruck "höherer Stehgreiflyrik", was auch mit der enormen Produktivität der 85-jährigen Dichterin zusammenhängt. Insgesamt herrscht in den Texten aus Sicht der Kritikerin ein Zustand "höher als alle Vernunft und tiefer als alle Schubladen des literarischen Lebens".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2009
Nico Bleutges Kritik liest sich fast wie eine Laudatio, liebevoll, aber leider nicht immer im Sinne der Detailgenauigkeit. Aus allem wird Mayröcker "Stoff". Und aus Stoff wird "Textur", worunter Bleutge offenbar so etwas versteht wie eine Befreiung der Wörter von ihrem oberflächlichen Sinn. Immer wieder beschwört Bleutge Mayröckers Sprache, wie sie klirrt und flimmert und vibriert. Leider kommt Bleutge aber kaum auf Mayröckers Techniken zu sprechen. Immerhin erfährt man, dass sie sich in vielen Gedichten des Bandes auf Hölderlin bezieht (von Jandl ganz zu schweigen), dass sie neben langen Versen auch einige Kurzgedichte einstreut, die Bleutge besonders angerührt haben. Man hat auf jeden Fall sofort Lust, den Band zu lesen!
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2009
Wulf Segebrecht teilt, wie er meint, mit den ihm vorangegangenen Lesern der Gedichte Friederike Mayröckers die Mischung aus großer Begeisterung und tiefer Ratlosigkeit, und so versucht er sich in seiner Kritik ihres neuen Lyrikbandes an einem Leitfaden zum Verständnis von Mayröckers rätselhaften Gedichten. Detailliert beschäftigt er sich mit dem Titelgedicht des Bandes, weist Hölderlin-Anleihen und die Vielschichtigkeit des Motivs des Vogel Greif nach, um am Ende zu dem Schluss zu kommen, dass des "Rätsels Lösung wiederum ein Rätsel" sei und damit tautologisch auf die "eigene Rätselhaftigkeit" zurückweise. Ansonsten lässt der Rezensent noch wissen, dass in den 309 Gedichten des Bandes, die allesamt datiert und chronologisch geordnet sind, sodass sich eine Art lyrisches Diarium ergibt, viel geweint wird, was dazu passt, dass Mayröcker an anderer Stelle ihre Überzeugung äußert, dass die "Welt nur aus Tränen sich zusammensetzt". Mit dieser Poetologie der Tränen aber verträgt sich durchaus Freude, Witz und Überschwang, wie Segebrecht dem Gedichtband abliest.
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