Bücherschau der Woche
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Klappentext
Mit "Murmeljagd" wird einer der großen Romane der deutschen Literatur wieder zugänglich: eine Tour de Force über Vertreibung und Exil, über das Leben im Ausnahmezustand, über Wahn und Bedrohung, absurde Irrtümer und eine Menschenjagd. Ulrich Bechers Lust an Sprachexperimenten, seine Vorliebe für ausgefallene Charaktere und sein politisches Engagement kulminieren in einem psychologischen Entwicklungsroman, der gleichzeitig Politthriller ist, immer vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem Faschismus.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2010
Bernhard Fetz preist in einer langen Besprechung des 1969 erstmalig erschienenen und nun neu aufgelegten Romans "Murmeljagd" den vor hundert Jahren geborenen Autor Ulrich Becher als grandiosen Jongleur der verschiedensten lokalen Idiome. In "Murmeljagd" flüchtet der ehemalige Aufklärungsflieger Trebla aus dem von den Nazis besetzten Österreich in die Schweiz, wo er sich allerdings immer noch von der Gestapo verfolgt fühlt, fasst der Rezensent zusammen. Er charakterisiert den Roman als einen furiosen Genremix aus Kriminal- und Schauerroman und Politsatire, in der der zeitgeschichtliche Hintergrund zur großen "Abrechnung" mit dem Nationalsozialismus wird, vor dem auch der Autor 1941 fliehen musste, wie Fetz mitteilt. Bechers großartige Anverwandlung der verschiedenen "Sprachmasken und Sprachfratzen" stellen dabei offenbar die faszinierendste Facette des Autors dar, und Fetz sieht ihn hier nicht nur von Canetti und Horvath geprägt, sondern auch nachhaltig von George Grosz beeinflusst, mit dem er seit Schultagen befreundet war. Und so bleibt für den begeisterten Rezensenten kein Zweifel, dass dieser Roman nicht nur das "wichtigste" Buch Bechers ist, sondern zu den "besten" deutschsprachigen Romanen nach dem Zweiten Weltkrieg gehört.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.01.2010
Die Rezensentin Katrin Hillgruber kann mit dieser Wiederausgrabung wenig anfangen. Sie sagt das ausdrücklich, aber auch indirekt, wenn sie - Zitat: "kunstgewerbliches Ausstattungsgeplauder" - mehrfach Martin Gregor-Dellins bereits vierzig Jahre alten Verriss zitiert. Dieser Verriss erschien zur Erstveröffentlichung 1969 des lange zuvor im Exil entstandenen Werks, in dem es um einen Journalisten namens Trebla geht, der vor den Nazis flieht. In einem Text, der auf etwas konfuse Weise teils Besprechung, teils Porträt des Autors, teils Bericht von der Rezeptionsgeschichte - und insgesamt nichts davon richtig - ist, beschwert sich die Rezensentin noch über den erstickenden "demonstrativ polyglotten Zitatteppich" und prophezeit, dass sich an dem Werk auch in Zukunft die Geister scheiden werden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2009
Mit großer Freude hat Rezensent Ernst Osterkamp diese Neuausgabe von Ulrich Bechers erstmals 1969 erschienenem Roman "Murmeljagd" aufgenommen. Die komplexe Geschichte um den Wiener Schriftsteller und ehemaligen Jagdflieger Albert Trebla, der 1938 mit seiner Frau vor den Nazis in die Schweizer Bergwelt flieht, sich zunehmend verfolgt fühlt und in eine merkwürdige Serie von Selbstmorden verstrickt wird, lässt sich seines Erachtens lesen als das dunkle "Psychogramm" eines Exilanten. Allerdings wäre dies nur die halbe Wahrheit. Denn Becher verwandelt nach Auskunft Osterkamps diese in finsteren Zeiten spielende Geschichte in eine "herrliche Groteske", angereichert mit einer Überfülle von sonderbaren Charakteren, aberwitzigen Situationen, skurrilen Dialogen und historischen Details. Nicht genug kann er Bechers Sprachwitz, seinen schwarzen Humor, seine Selbstironie, seinen Sinn für das Abseitige des Alltags loben. Auch vierzig Jahre nach dem ersten Erscheinen wirken der Stil, der sprachliche Reichtum, die Differenzierungskunst des Werks auf Osterkamp taufrisch. Sein einziger Kritikpunkt ist, dass der Autor zu verschwenderisch erzählt und etwas zu dick aufträgt. Nichtsdestoweniger ist "Murmeljagd" für ihn ein "großer Roman".
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