Bücherschau der Woche
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Klappentext
"S.Fischer, Verlag" firmiert er seit 1886. Der deutschsprachige Jude aus Ungarn wird innerhalb weniger Jahre der gesuchteste deutsche Verleger der Moderne an der Wende zum 20. Jahrhundert. Sein Unternehmen macht Literaturgeschichte. Doch von seiner Person weiß man kaum mehr als die Lebensdaten: 1859 bis 1934. Wer war dieser geschickte Geschäftsmann mit dem vielzitierten Gespür für literarische Qualität? Wie reagierte jemand wie er auf die antisemitischen Anfeindungen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und noch im "Dritten Reich"? Barbara Hoffmeister ist diesen Fragen nachgegangen.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.02.2010
Mit Gewinn hat offenbar der nachgeborene Kollege Michael Krüger diese Biografie des bedeutenden Verlegers und Verlagsgründers gelesen, von dem er allerdings mit etwas seltsam anmutender Vertraulichkeit durchgehend als "Sami Fischer" spricht. Barbara Webers Buch entfalte vor allem die Zeit noch einmal, in der sich die aus dem jüdischen Stetl stammende Seele Samuel Fischers "in Helle und Weite" geöffnet habe, und in einem Klima von aufsteigendem Antisemitismus und Faschismus unglaubliches für die deutsche Literatur geleistet habe. Die Quellenlage sei schlecht, liest man auch. Aber das scheint Krüger als Entschuldigung für manches Loch in dieser Biografie nicht auszureichen, in der aus seiner Sicht manche Stimme fehlt. Dennoch liest man diese Rezension mit gelegentlichem Unbehagen, weil sie merkwürdig distanzlos ihren Gegenstand verhandelt, das Judentum Fischers eingeschlossen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2009
Durchaus interessante Informationen hat Rezensent Jörg Magenau dieser Biografie des Verleger Samuel Fischer entnommen, auch wenn er sie am Ende enttäuscht aus der Hand gelegt hat. Zum einen war die Materiallage, auf der Barbara Hoffmeister ihre Lebensbeschreibung hätte aufbauen können. Fischer hat kein Tagebuch geführt, es gibt keine Erinnerungen und ins Rampenlicht hat es ihn offenbar auch nie gedrängt. Aber, meint Magenau, die Autorin macht auch nicht das Beste daraus. Anstatt sich an eine "zupackende Profilierung" zu wagen, umkreist sie Fischer weiträumig und umstellt ihn mit Zitaten anderer. So gebe sie etwa Thomas Manns aggressiv-nationalistische "Gedanken im Kriege" von 1914 wieder, sagt aber nicht, was Fischer davon hielt. Lesenswert scheint aber, was sie über Fischers Verhältnis zu Gerhart Hauptmann schreibt, die beiden müssen ebenso im Dauerclinch um Vorschüsse und Tantiemen gelegen haben wie später Siegfried Unseld und Thomas Bernhard. Instruktiv auch ihre Begründung, warum sich Fischer darauf verlegt hat, internationale Autoren wie Ibsen und Zola, Dostojewski und Tolstoi herauszugeben: Nicht nur weil die großen deutschen Autoren wie Meyer, Raabe und Fontane zu der Zeit keine Nachfolger hatten, sondern auch, weil auf ihren Werken international kein Copyright lag!
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2009
Die Besprechung von Barbara Hofmeisters Biografie nutzt Jochen Hieber zu einer großen Hommage an den Ausnahmeverleger S. Fischer, dessen Geburtstag sich heute zum 150. Mal jährt. Der Rezensent vergleicht die Leistung und Bedeutung des Verlegers mit den Sozialgesetzen Bismarcks und sieht seinen Werdegang und seinen Einfluss auf die deutsche Literatur bei der Autorin in lobenswerter Prägnanz herausgearbeitet. Er preist besonders, wie es Hofmeister gelingt, das "Doppelwesen" Fischers darzustellen, der als Verleger eine autoritätsgebietende, mächtige Figur , daneben aber ein äußerst zurückhaltender Mensch mit Schlafstörungen und Depressionen war. Nicht nur die Verlagsgeschichte findet Hieber kenntnisreich und pointiert geschildert, auch die Umstände der Zeit, insbesondere die schwierige Lage für Juden in Deutschland sieht er mit der nötigen Klarheit beschrieben. Der Rezensent hätte also fast gar nichts auszusetzen, würde er sich nicht über den Umstand ärgern, dass die Autorin ihren Vorgänger Peter de Mendelssohn, der 1970 eine große Fischer-Biografie schrieb und dafür wichtiges Quellenmaterial erschoss, nicht angemessen würdigt, sondern ihn lediglich in Fußnoten nennt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.12.2009
Unterm Strich enttäuschend findet Oliver Pfohlmann diese Biografie des legendären Verlegers. Zwar gelinge es Barbara Hoffmeister zu zeigen, was den "hypochondrischen, zu Schwermut und Nervosität neigenden" Verleger Fischer mit vielen seiner Autoren verbunden hat, und auch auf ein Grundelement von Fischers Erfolgsgeheimnis aufmerksam zu machen: seine "emotionale Intelligenz" nämlich. Doch nehmen Pfohlmanns Eindruck zufolge die Schriftsteller immer wieder einen größeren Platz in diesem Buch ein, als sein eigentlicher Protagonist. Daher löst aus Kritikersicht die Biografin ein wesentliches Versprechen ihres Buchs nicht ein, nämlich den legendären Verleger aus dem Schatten seiner Autoren zu holen. Stattdessen sieht er den Konjunktiv regieren, oder Zitate anderer zur Beschreibung der Lebenswelten herhalten, in denen Fischer lebte. Hinzu kommen für den Kritiker nicht immer notwendig erscheinende Exkurse, Inhaltszusammenfassungen von Büchern und Dramen, "hilflose Überleitungen" sowie "sich über zehn oder mehr Zeilen erstreckende Satzungetüme".
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