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Klappentext
Schillers Ästhetik ist von Anfang an politische Ästhetik. In allen seinen Dramen wird um Herrschaft und um Freiheit gerungen. Um diese These zu belegen, fasst Walter Müller-Seidel Schillers Dramen neu ins Auge und befragt sie im Hinblick auf Herrschaftsformen, Widerstandsrecht und Tyrannenmord. Während tyrannische Herrschaftsformen nach Schillers Auffassung zu beseitigen sind, redet er dem Tyrannenmord lange Zeit keineswegs das Wort. Erst in seinem letzten abgeschlossenen Drama, in "Wilhelm Tell", wird die Ermordung des Tyrannen bejaht. Müller-Seidel plädiert dafür, das Geschichtsdrama als zeitgeschichtliches Drama zu lesen - mit Napoleon als Hintergrundfigur. Der Legende, wonach die Wortführer der Weimarer Klassik die Forderungen des Tages ignoriert hätten, wird in diesem Buch entschieden widersprochen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Walter Müller-Seidel: Friedrich Schiller und die Politik - Leseprobe beim Verlag C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2010
Alle Achtung hat Jürgen Schings vor diesem Buch. Und wie auch nicht. Geschrieben ist der Band schließlich von niemand Geringerem als Walter Müller-"Schiller-Forscher"-Seidel. Hochbetagt, aber nicht müde, "seinem" Schiller immer neue Seiten abzugewinnen. Hier etwa die des menschlich wie politisch engagierten Dramatikers (nicht des Theoretikers) Schiller. Wie Müller-Seidel das macht, mit "wuchtigem" Strich die großen Fragen zur Tyrannei, zum Widerstand und zur Selbst- und Fremdbestimmung benennend, die Schiller nach Einschätzung des Autors umtreiben, also zu einer politischen Ästhetik leiten, hält der Rezensent für große Klasse. Ebenso, dass der Autor nicht auf Schiller und die Revolution schaut, sondern auf Napoleon. So werden die großen Schiller'schen Dramen vor den Augen des Rezensenten zu Geschichtsdramen, in denen der zeithistorische Hintergrund hell aufleuchtet, nicht mehr der Stoff als solcher.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2009
Zwei neue Bücher über Friedrich Schiller und die Politik bespricht Gustav Seibt im Vergleich. Keinen Zweifel lässt er daran, dass ihm das andere, Friedrich Dieckmanns "Freiheit ist nur in dem Reich der Träume", in jeder Hinsicht das liebere ist. Was nicht heißt, dass er der sehr viel zünftigeren germanistischen Studie des "Doyens" der Literaturwissenschaft Walter Müller-Seidel nicht auch mit einigem Respekt begegnete. Wie der Autor etwa herauspräpariere, welche Pointen in Friedrich Schillers Betonung des "Vaterländischen", nicht des Nationalen liegen; wie er darstellt, wie Schiller sich nicht zu Napoleon, aber zur Herausforderung, die der Napoleonismus für die Deutschen bedeutete, verhalte - das findet er durchaus überzeugend. Beträchtliche Schwächen sieht Seibt dennoch, nämlich im zu eng, rein "werkimmanent interpretierend" und "ideengeschichtlich" gesteckten methodischen Rahmen der Untersuchung.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.11.2009
Als "unbestrittenes Ereignis des Schiller-Jahres 2009" bezeichnet Rezensent Claude Haas diese Studie des 91-jährigen Germanisten Walter Müller-Seidel. Denn aus Haas' Sicht wirft sie anhand von Friedrich Schillers Werk mit großer Dringlichkeit Grundfragen auf, über die Dramatisierbarkeit von Politik zum Beispiel, die hier unter anderem als "Wunschdenken in einer verwalteten Welt" beschrieben werde. Oder Schillers Bedeutung für die Moderne, die besonders im Kontext Politik und Theater deutlich werde. Speziell Müller-Seidels "analytische Kunstfertigkeit" bei der Schiller-Lektüre findet der Rezensent beeindruckend. Aber auch die "akribischen Reflexionen" des Tyrannenmords oder die Auslegung von Schillers Theaterbegriff als "Plädoyer für den Einzelnen", der keinem höheren Zweck geopfert werden dürfe. Wie Müller-Seidel in Schillers Werk auf dem Weg des Indizienbeweises über verdeckte Anspielungen Napoleon als "wichtige Figuration von Fremdherrschaft" ausmacht, fand der Rezensent schließlich spannend wie einen Krimi zu lesen.
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