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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson

fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung

Hans Magnus Enzensberger - Uwe Johnson. Der Briefwechsel

Cover: fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN-10 351842100X
ISBN-13 9783518421000
Gebunden, 342 Seiten, 26,80 EUR

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Klappentext

1959, kurz nach Uwe Johnsons Übersiedelung in den Westen Berlins und der Veröffentlichung seines Debütromans "Mutmaßungen über Jakob", beginnen der Briefwechsel und die Freundschaft zwischen ihm und Hans Magnus Enzensberger. Über einen Zeitraum von acht Jahren verständigen sie sich über die literarische und politische Lage und diskutieren die Spielräume politischen Engagements. Zugleich aber zeugen die 161 Dokumente von einer Auseinandersetzung über Möglichkeiten und Grenzen von Freundschaft. Bereits im Oktober 1966 forderte Uwe Johnson, den gemeinsamen Briefwechsel "nicht mehr fuer eine kuenftige Edition und Altersversorgung einzurichten sondern fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung". Über scheinbar Alltäglichem kommt es zu prinzipiellen Betrachtungen und zuletzt zu einem Zerwürfnis: Dass Uwe Johnson seine Berliner Wohnungen Enzensbergers erster Frau Dagrun und dessen Bruder Ulrich zur Verfügung stellt, führt in Aporien von Vertrauen, Bürgschaft und Verantwortung. Ein Jahr später erreicht selbst diese Verständigung ihre Grenzen - unter Hinterlassung einer Korrespondenz, bei der sich beide Partner nichts schuldig bleiben: am wenigsten den hochpointierten Dialog zweier grundverschiedener Naturen. Ihre Edition liegt hiermit vor.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.03.2010

Eine recht diskrete Freundschaft und ihr bitteres Ende sieht Rezensent Lothar Müller in diesem Briefwechsel zwischen Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger dokumentiert. Als besonderes Merkmal der Korrespondenz, den Johnson 1959 mit 25 Jahren mit einem Brief an Enzensberger eröffnet, ist Müller das "Auskunftsuchen und Auskunftgeben über Wörter, Sätze, Wendungen" aufgefallen, wie er gleich mehrfach schreibt. Weniger über private Dinge, dafür um so mehr über ihre Arbeit und die politischen Einstellungen und Verhältnisse der Zeit erfährt Müller aus dem Buch, dessen Passagen über das gescheiterte Projekt einer gemeinsamen internationalen Zeitschrift ihn etwas ermüdeten, im Gegensatz zu den Briefen über die Anfänge des Kursbuchs. Die Freundschaft, so der Rezensent, verlor sich 1968 in Streitigkeiten um Johnsons Berliner Wohnung, in der sich die Kommune 1 einquartierte, zu der Enzensbergers Bruder Ulrich gehörte, kurzzeitig besetzt wurde. Begeisterung sieht anders aus.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2010

Hier lässt sich einmal dem Schweigen zuhören, freut sich Rezensentin Dorothea Dieckmann und meint damit die Konfrontation, von der die Korrespondenz zwischen Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson für sie gut vernehmlich spricht. Die "Briefgegner" charakterisiert sie als stilistisch, politisch und psychologisch wendig, glatt bzweziehungsweise im Fall Johnson, als roh, beharrend. Sie erkennt die Umstände (der raue Hintergrund der 60er, verschiedene Auffassungen von Loyalität und Freundschaft), die zu Neid und Enttäuschung und zum Bruch zwischen den beiden führen. Dem Schweigen beider hat die Rezensentin offenbar gern gelauscht, charakterisiert sie es doch als ein dynamisches, von stilistischen Glanzmomenten geprägtes.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2009

Oliver Vogel hat sich eingehend mit dem Briefwechsel zwischen Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson beschäftigt, der 1959 beginnt und wegen politischer und persönlicher Differenzen 1967 zum großen Bedauern des Rezensenten abbricht. Dieser Briefwechsel in politisch bewegten Zeiten bietet zwar keineswegs eine Chronik der Ereignisse - Kubakrise, Kennedys Berlinrede, Martin Luthers Engagement beispielsweise finden keine Erwähnung, stellt der Rezensent klar. Es bilden sich darin aber die "zentralen ästhetischen wie politischen Auseinandersetzungen" der BRD ab, verfochten von zwei ihrer bedeutendsten Autoren, so Vogel gefesselt. Mit Interesse nimmt der Rezensent die Spannungen zwischen den Korrespondenzpartnern wahr, die sich nicht nur aus der wachsenden politischen Entfremdung, sondern auch aus privaten Enttäuschungen ergeben. So fühlt sich Johnson mit den Exzessen von Enzensbergers Exfrau Dagrun in seiner Berliner Wohnung, die er ihr überlassen hat und die zunehmend den Ärger der Nachbarn und der Polizei erregt, allein gelassen, erfahren wir. Etwas wehmütig ist es Vogel ums Herz, wenn er anhand der Korrespondenz noch mal verdeutlicht bekommt, wie klein und übersichtlich der damalige Literaturbetrieb war, und wie viel Zeit sich seine Protagonisten bei ihren Debatten lassen konnten.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2009

Ganz außerordentlich lesenswert erscheint dem Rezensenten Ernst Osterkamp dieser Briefwechsel zweier - einander trotz ihrer sehr unterschiedlichen Temperamente sehr nahen - Solitäre der deutschen Nachkriegsliteratur. Als großes Unglück, mehr noch für den Leser, denkt man fast, als für die beiden, betrachtet er, dass die Korrespondenz zwischen ihnen nach heftigem Streit im Jahr 1967 dann abbricht. Johnson sah das Vertrauen enttäuscht, das sichtlich und lesbar, in den Jahren zuvor (im Dezember 1959 schrieb Johnson den ersten Brief) zwischen den Autoren entstanden war. Ganz offenkundig, so Osterkamp, waren die Briefe nicht rein privater Bestimmung, zu sehr verstehen die Korrespondierenden sich in ihrer Sprache auch hier als Literaten. Inhaltlich geht es um gemeinsame Pläne für Zeitschriften, aus denen teils nichts, teils Bedeutendes ("Kursbuch") wurde, um Diskussionen auch, wie einer sich in die Zeitläufte einmischen soll oder nicht. An einer Verquickung von Privatem und Politischem, wie sie für die Zeit nur zu typisch war, zerbrach dann die Brieffreundschaft. Was nun auf zweihundert Seiten vorliegt, erscheint dem Rezensenten jedoch "anrührend" und "bewegend" und als aus mehr als einem Grund lesenswert.

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