Aus dem Englischen von Stefanie Kremer. Mit Abbildungen. Niccolo Machiavelli liebte das Leben, machte sich wenig Illusionen über die Natur des Menschen und verfolgte konsequent die Interessen seiner Heimatstadt Florenz. Ross King entwirft ein differenziertes Bild dieses ersten Realpolitikers der europäischen Geschichte. Machiavelli gilt als faszinierendster und einflussreichster Denker der italienischen Renaissance. Er steht im Ruf, ein besessener Machtmensch gewesen zu sein. Sein Hauptwerk "Il Principe" (Der Fürst) wird noch heute als Brevier der rücksichtslosen Machtpolitik gelesen. Doch wer war Machiavelli wirklich? King zeigt uns einen Menschen, der das Leben liebte und in vollen Zügen genoss, der egozentrisch war und gelegentlich herablassend selbst gegenüber seinen politischen Auftraggebern aus der Signoria von Florenz. Er hatte mächtige Widersacher, die jedoch seiner scharfen Intelligenz, seinem Selbstbewusstsein und seiner spitzen Zunge selten gewachsen waren. Sein Urteilsvermögen ließ sich nicht trügen, und er machte sich keine Illusionen über die Moral der Menschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Nicht der Theoretiker Niccolo Macchiavelli, der Denker, der mit der postumen Veröffentlichung seines Regierungshandbuchs "Der Fürst" berüchtigt wurde und berühmt, nicht dieser Macchiavelli wird hier noch einmal vorgestellt - sondern der Mensch Macchiavelli, wie er im Leben stand. Als Diplomat, als Berater des Stadtstaats Florenz, auch als Komödienautor, und als den Freuden des Lebens, den erotischen nicht zuletzt, zugewandter Mann. Eingebettet wird dieses Leben, an dessen Ende übrigens das politische Scheitern, das Exil und im Exil erst die Niederschrift des "Principe" stand, in die Sozialhistorie seiner Zeit. Darin, und auch darin, dass die Figur komplett entdämonisiert wird, sieht Rezensent Dirk Schümer das große Verdienst dieser Biografie.
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