Schallück ist lange genug Schauspieler, er kennt alle Regeln und Rollen, mit denen das Leben sich in Szene setzt. Deshalb durchschaut der in die Jahre gekommene Held der neuen Erzählung von Tankred Dorst das Spiel, als nach einer Aufführung eine Frau in seinem Alter in seine Kabine kommt, um ein Autogramm für ihre 15jährige Tochter zu erbitten. Doch dann begegnet er der Tochter - und seine resignative Abgeklärtheit gegenüber jeder neuen Erfahrung zerrinnt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 26.11.2009
Himmelhochjauchzend bespricht Rezensent Wend Kässens dieses jüngste Produkt aus dem Hause Dorst/Ehlers, ein "diskontinuierliches Handlungsgefüge", wie man liest, rund um einen alternden Schauspieler, Liebe, Glück und Vergeblichkeit arrangiert. Denn mit "der leichten Hand der Alterweisheit" erzähle Dorst hier von der Suche nach Glück, der Verführbarkeit des Menschen und den bitteren Erfahrungen des Lebens. Und, wie wir von Kässens auch erfahren, vom Scheitern einer Liebe und einer Apotheose mit Tsunami.
Mit gemischten Gefühlen nimmt Rezensentin Ariane Breyer das neue Buch von Tankred Dorst auf, das sie als Buch über die Möglichkeiten eines glücklichen Lebens aber auch als eine Art "Gralsgeschichte" gelesen hat. Allerdings findet sie bei aller Freude, die sie an mancher Gedankenkonstruktion zur Frage hat, dass der Text bald im Strudel der Selbstreflexion untergeht, seine Figuren als theoretische und literarhistorische Konstrukte leer bleiben. Plastisch wird für sie lediglich die Seelenlandschaft des Schauspielers Schallück, besonders am Schluss, wenn der Held dieser Geschichte von seinem Autor mit pathetischer Geste auf Höllenfahrt geschickt wird.
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