Herausgegeben und eingeleitet von Sonu Shamdasani. Mit einem Vorwort von Ulrich Hoerni. Als geheimnisvolles "Rotes Buch" ging es in die Literatur über C. G. Jung ein. Niemand bekam es zu Gesicht, da sein Urheber selbst verfügt hatte, es nicht zu veröffentlichen. Diesem Wunsch wurde entsprochen. Doch fast fünfzig Jahre nach dem Tod Jungs ist die Zeit gekommen, um dieses Werk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Über viele Jahre hielt der große Schweizer Tiefenpsychologe C. G. Jung (1875-1961) seine Träume, Visionen und Fantasien in einem Tagebuch fest: großformatig, kunstvoll und farbenreich. C. G. Jungs handgeschriebenes und -gemaltes Vermächtnis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.11.2009
Nicht nur Umfang und Gewicht nach ist dieses Buch ein Monument für den Rezensenten. Arno Widmann liest, nein studiert und schaut und begreift es als eines der zentralen Werke des 20. Jahrhunderts. Aus dem Nachlass herausgegeben von Sonu Shamdasani ist es für Widmann auch in seiner Unabgeschlossenheit "ein Evangeliar", gemalt, gestaltet, produziert von C. G. Jung im Bewusstsein einer Selbstfindung, die zur Botschaft taugt. Es geht um die damals skandalöse Auflösung des Ichs. Für Widmann ist die Wucht dieser Erfahrung beim Lesen spürbar, keine Spur von Koketterie, versichert er, sondern "der reine Schrecken". Das eigentlich Großartige aber ist für den Rezensenten der Umstand, dass Jung nicht einfach diesen Schock beschreibt, sondern sich zugleich davon reinigt, indem er seine Fantasien und Visionen notiert und sie mit der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit seiner Zeit abgleicht. So erscheint dem Rezensenten der Band schließlich gar als Dokument der europäischen Krise zu Anfang des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2009
Fast ehrfürchtig klingt es, wenn Andrea Köhler das geheimnisumwitterte und nun zeitgleich mit der Ausstellung des Originals im New Yorker Rubin Museum of Art in einer amerikanischen und einer deutschen Ausgabe erscheinende "Rote Buch" von C. G. Jung vorstellt. Für die einen ist es das Dokument einer drohenden oder schon ausgebrochenen Schizophrenie, für die "Jung-Gemeinde" eine "Offenbarung", meint die Rezensentin. Das Rote Buch ist das Dokument eines 16 Jahre andauernden "Selbstexperiments", in dem Jung in Visionen und Träumen seinen "eigenen Mythos" ergründen wollte. In ihren Augen aber ist der Faksimileband nicht zuletzt ein überaus beeindruckendes Kunstwerk, zeigen doch die vielen Illustrationen, Mandalas und kalligrafischen Bibelzitate große handwerkliche und erfinderische Meisterschaft, wie sie preist. Jung selbst verstand das Werk, das er, weil es für ihn intimes Selbstfindungsdokument war, nie zur Veröffentlichung vorgesehen hatte, allerdings vor allem als "Produkt des kollektiven Unbewussten", klärt Köhler auf.
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