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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Mo Yan

Die Sandelholzstrafe

Roman

Cover: Die Sandelholzstrafe

Insel Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN-10 345817446X
ISBN-13 9783458174462
Gebunden, 651 Seiten, 29,80 EUR

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Klappentext

Aus dem Chinesischen von Karin Betz. Viel Neues geschieht im China des Jahres 1899: Von überall her drängen fremde Menschen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen etwa die Eisenbahn, die bei der Provinzstadt Gaomi über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Vieles geht aber auch zu Ende in diesen letzten Tagen des Jahrhunderts: Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Trasse und deren Erbauer. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, bündelt die Staatsmacht all ihre Kräfte und verordnet ein letztes Mal die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden. Leib und Leben nicht allein des Opfers, sondern auch seiner Tochter, ihres Ehemanns, ja selbst des Henkers und des Richters stehen mit diesem Urteilsspruch auf dem Richtplatz der Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2010

Mo Yans Thema präsentiert sich dem Rezensenten groß und klar. Es geht um das Eindringen westlicher Kolonialmächte in China im Jahre 1899, erzählt als familiäre Tragödie. Den im Roman verhandelten Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne sieht Michael Müller auch sprachlich umgesetzt. Indem der Autor traditionelle Ausdrucksformen gebraucht, meint Müller, wendet er sich gegen den westlichen Einfluss. Die durch bitteren Humor und Wehklage sich auszeichnende Form der von der chinesischen Landbevölkerung gepflegten Katzenoper erscheint Müller als geeignet, das charakteristische Sprachvermögen der Figuren zu zeigen, aber auch die Verletzung menschlicher Würde und ein großes Trauma der chinesischen Geschichte.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2009

Nicht "für Liebhaber westlicher Literatur, insbesondere solche mit hochintellektuellem Anspruch" habe Mo Yan seinen Roman "Die Sandelholzstrafe" geschrieben, zitiert Rezensent Alex Rühle den chinesischen Romancier. Denn mitunter könnten der angesprochenen Leserschicht die lustvoll expliziten Beschreibungen von Folterungen und der volkstümlich burleske Ton dieses Romans unangenehm aufstoßen, wie Rühle voraussagt. Die Geschichte aus der Zeit des Boxeraufstands um den letzten großen Folterer der Kaiserin-Witwe Cixi und den gewitzten Meister der Katzenoper, Su Bing, der von jenem hingerichtet werden soll, zeigt für Rezensent Rühle vor allem die erzählerische Kraft Mo Yans, der sein Buch, wie Rühle berichtet, in 43 "rauschhaften" Tagen niedergeschrieben haben will. Wer es zusammen mit Yans Roman "Überdruss", den Rühle in der Kritik ebenso rezensiert, liest, wird sich fühlen, als wenn er durch alle Höllenkreise Dantes durchgegangen wäre, so grausam erscheint Rühle der Gang durch die chinesische Geschichte, den er mit Mo Yan vollzieht.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009

Mindestens genauso sehr wie den Konventionen eines westlichen Romans folgt Mo Yans "Die Sandelholzstrafe" denen einer chinesischen Oper, beobachtet der in seinem Urteil gespaltene Rezensent Andreas Breitenstein. Mo Yans um 1900 in der Endzeit der chinesischen Monarchie angesiedelte Geschichte handelt, wie Breitenstein informiert, von einem Provinzaufstand, dessen Anführer brutal hingerichtet wird. Dabei gelingt es dem Autor, seine Figuren überaus lebendig werden zu lassen, wobei sie gleichzeitig Prinzipien wie Zynismus oder Gerechtigkeitssinn verkörpern, beobachtet der Rezensent. Indem Mo Yan die Handlung teils von den handelnden Personen und teils von einem über den Dingen stehenden Erzähler berichten lässt, verleiht er dem Geschehen eine gewisse Leichtigkeit - sonst wäre sie wohl in ihrer "düsteren Schwere" unerträglich, mutmaßt der Rezensent. Schwer tut sich Breitenstein allerdings mit Mo Yans ausgeprägtem Hang zur Gewaltdarstellung, mit der er durchaus voyeuristische Gelüste seiner Leser bediene.

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