Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Chinesischen von Karin Betz. Viel Neues geschieht im China des Jahres 1899: Von überall her drängen fremde Menschen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen etwa die Eisenbahn, die bei der Provinzstadt Gaomi über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Vieles geht aber auch zu Ende in diesen letzten Tagen des Jahrhunderts: Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Trasse und deren Erbauer. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, bündelt die Staatsmacht all ihre Kräfte und verordnet ein letztes Mal die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden. Leib und Leben nicht allein des Opfers, sondern auch seiner Tochter, ihres Ehemanns, ja selbst des Henkers und des Richters stehen mit diesem Urteilsspruch auf dem Richtplatz der Geschichte.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2010
Mo Yans Thema präsentiert sich dem Rezensenten groß und klar. Es geht um das Eindringen westlicher Kolonialmächte in China im Jahre 1899, erzählt als familiäre Tragödie. Den im Roman verhandelten Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne sieht Michael Müller auch sprachlich umgesetzt. Indem der Autor traditionelle Ausdrucksformen gebraucht, meint Müller, wendet er sich gegen den westlichen Einfluss. Die durch bitteren Humor und Wehklage sich auszeichnende Form der von der chinesischen Landbevölkerung gepflegten Katzenoper erscheint Müller als geeignet, das charakteristische Sprachvermögen der Figuren zu zeigen, aber auch die Verletzung menschlicher Würde und ein großes Trauma der chinesischen Geschichte.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2009
Nicht "für Liebhaber westlicher Literatur, insbesondere solche mit hochintellektuellem Anspruch" habe Mo Yan seinen Roman "Die Sandelholzstrafe" geschrieben, zitiert Rezensent Alex Rühle den chinesischen Romancier. Denn mitunter könnten der angesprochenen Leserschicht die lustvoll expliziten Beschreibungen von Folterungen und der volkstümlich burleske Ton dieses Romans unangenehm aufstoßen, wie Rühle voraussagt. Die Geschichte aus der Zeit des Boxeraufstands um den letzten großen Folterer der Kaiserin-Witwe Cixi und den gewitzten Meister der Katzenoper, Su Bing, der von jenem hingerichtet werden soll, zeigt für Rezensent Rühle vor allem die erzählerische Kraft Mo Yans, der sein Buch, wie Rühle berichtet, in 43 "rauschhaften" Tagen niedergeschrieben haben will. Wer es zusammen mit Yans Roman "Überdruss", den Rühle in der Kritik ebenso rezensiert, liest, wird sich fühlen, als wenn er durch alle Höllenkreise Dantes durchgegangen wäre, so grausam erscheint Rühle der Gang durch die chinesische Geschichte, den er mit Mo Yan vollzieht.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009
Mindestens genauso sehr wie den Konventionen eines westlichen Romans folgt Mo Yans "Die Sandelholzstrafe" denen einer chinesischen Oper, beobachtet der in seinem Urteil gespaltene Rezensent Andreas Breitenstein. Mo Yans um 1900 in der Endzeit der chinesischen Monarchie angesiedelte Geschichte handelt, wie Breitenstein informiert, von einem Provinzaufstand, dessen Anführer brutal hingerichtet wird. Dabei gelingt es dem Autor, seine Figuren überaus lebendig werden zu lassen, wobei sie gleichzeitig Prinzipien wie Zynismus oder Gerechtigkeitssinn verkörpern, beobachtet der Rezensent. Indem Mo Yan die Handlung teils von den handelnden Personen und teils von einem über den Dingen stehenden Erzähler berichten lässt, verleiht er dem Geschehen eine gewisse Leichtigkeit - sonst wäre sie wohl in ihrer "düsteren Schwere" unerträglich, mutmaßt der Rezensent. Schwer tut sich Breitenstein allerdings mit Mo Yans ausgeprägtem Hang zur Gewaltdarstellung, mit der er durchaus voyeuristische Gelüste seiner Leser bediene.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








